„Genau das, wofür ich gemacht bin“

Rüdiger Dietz ist Koch beim TBH.
Rüdiger Dietz ist Koch beim TBH.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Rüdiger Dietz ist Koch. Der gebürtige Hesse war Koch im Hotel Cleve, seit 16 Jahren bildet er junge Leute beim TBH aus

Kleve..  Vorspeise: Wraps mit Räucherlachs und Dillsauerrahm an einer kleinen Salatgarnitur. Hauptgang: Putenschnitzel im Knuspermantel an Currysauce, dazu Paprikaecken, gebackene Früchte und Rosinenreis. Und zum Nachtisch ein Beerencappuccino. Da läuft einem glatt das Wasser im Munde zusammen. Zu essen bekommt man so ein Menü für 8,80 Euro im Restaurant Schwanenstuben, dem Stadthallenrestaurant. Die Besonderheit: Unter Anleitung von Rüdiger Dietz kochen hier momentan 16 junge Leute, meist zwischen 17 und 25 Jahre alt, im Rahmen einer berufsvorbereitenden Maßnahme des Theodor-Brauer-Hauses (TBH).

Klare Vorstellung

Rüdiger Dietz kam 1994 nach Kleve, als Koch im damaligen Hotel Cleve. Er ist einer jener beneidenswerten Menschen, die schon als Kind genau wissen, was sie später mal werden wollen. Dietz war das bereits mit vier Jahren klar: Ich werde Koch. Dabei hatte keiner seiner Familienangehörigem in dem kleinen hessischen Dorf, in dem er aufwuchs, etwas mit Kochen am Hut. Außer seiner Mutter natürlich, und der half er schon als Kind gerne in der Küche.

Und weil das alles so klar war, machte er auch direkt nach der Schule eine Ausbildung zum Koch. Danach kochte er an mehreren Stationen bis hin zur Schweiz. Denn: „In jeder Küche wird anders gekocht, und jeder Wechsel hat etwas für sich“, sagt er. „Wenn man jung ist, kann man das gut machen.“

Auch zum Beispiel in einem Schweizer Hotel kochen, wo sich niemand die Mühe gab, dem deutschen Koch gegenüber auch nur ein annäherndes Hochdeutsch zu sprechen. Dietz: „Dann musste es halt so gehen.“ Dietz ist überhaupt ein Mann klarer Worte. Präzis, ohne Schnörkel kommt er auf den Punkt. Irgendwelche Problemchen gebe es halt immer, und wenn schon. „Nach zwei Wochen klappte das dann.“

Zum TBH kam er durch Zufall. Denn einer der Auszubildenden im Hotel Cleve stammte aus Russland und hatte große Schwierigkeiten in der Berufsschule. „Dem habe ich immer geholfen, und irgendwann hörte dann das TBH von mir und ich vom TBH.“ Seit 16 Jahren bildet Dietz nun Menschen aus, die hier eine Chance auf einen Neuanfang bekommen - für viele auch zugleich die letzte Chance. Und viele haben ihr Päckchen zu tragen. „Es ist gut, dass wir uns um sie kümmern“, sagt Dietz. Zusammen mit zwei Ausbilderinnen im Servicebereich, die sich eine Stelle teilen, einer Sozialpädagogin und einem Stützlehrer bemühen sie sich um die jungen Erwachsenen. „Das ist genau das, wofür ich gemacht bin“, findet Dietz.

Ein Koch für alles

Der Vorteil am Beruf Koch ist, dass man das Ergebnis seiner Arbeit unmittelbar vor Augen hat. Und nicht nur das: Man kann es sogar schmecken. Und der Gast kann sogleich darauf reagieren. Es gibt gar nicht mehr viele Berufe, die so funktionieren. Und weil zum Aufgabenbereich auch die Bewirtschaftung der Stadthalle gehört, ist oft voller Einsatz gefragt – da kann schon mal ein Buffet für 150 Leute anstehen. Wenn das dann fertig aufgebaut dasteht, voller selbst gemachter Speisen, dann ist wohl jeder stolz, der daran mitgewirkt hat. Vom Einkauf bis zur Zeitungsannonce ist Dietz für alles verantwortlich. „Macht Spaß“, sagt er.

Andererseits muss man als Koch aber auch an eine bestimmte Mentalität verinnerlichen. „Das erste, was ich den Teilnehmern klar machen muss, ist, dass wir hier Gäste haben und keine Kunden“, sagt Dietz. Das muss man erst mal begreifen. Dazu kommt: Als Koch arbeitet man zum Beispiel an Samstagabenden. Aber wenn man das einmal akzeptiert habe, sei es auch kein Problem mehr, findet Dietz. Akzeptiert hat der Hesse längst auch den Niederrhein. „Im ersten Jahr dachte ich, hier regnet es ja nur“, erinnert er sich. Aber das Gefühl ist vorbei. Mit seiner Familie ist er längst heimisch geworden, bei Regen und bei Sonnenschein.