Gemischte Urlaubsgefühle

Nadine Spronk-Jaensch
Nadine Spronk-Jaensch
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Was wir bereits wissen
Familien buchen Ferien nach Tunesien um. Aber es ist nicht einfach, etwas preislich Ähnliches zu finden. Griechenland-Reisende brauchen wenig Bares beim „all in“

Kreis Kleve..  Die angeblich schönste Zeit des Jahres macht auch so manchem Kreis Klever nun Bauchschmerzen. Dramatische Nachrichten aus dem Sonnenland Tunesien, Ungewissheit über funktionierende Geldautomaten in Griechenland – die Urlauber sind verunsichert und melden sich auch bei den Reisebüros im Kreis Kleve.

„Nach Tunesien kann ich keinen mehr mit ruhigem Gewissen schicken. Es ist so tragisch, was dort passiert ist“, sagt Reisebürochefin Nadine Spronk-Jaensch in Kleve. So entsetzlich dort, für die Bürger hier aber ist schlicht „die Urlaubsstimmung getrübt“. Teils bis 31. Juli, teils bis 15. September lassen Reiseveranstalter ihre Kunden die Touren nach Nordafrika ans Mittelmeer kostenlos stornieren oder umbuchen. „Wir haben einige solche Fälle jetzt gehabt“, so Spronk-Jaensch. Die einen blieben Afrika als Ziel treu und wählten alternativ trockene 38 Grad Celsius in Ägypten, die meisten aber nahmen Hotels in Spanien.

„Es ist unfair, dass die Veranstalter nicht enger zusammen arbeiten und Sicherungsscheine nicht nur im Konkurs-Falle, sondern auch hier anerkennen – also ein Veranstalter für den anderen eintritt bei Pauschalreisen“, findet Reiseverkehrskaufmann Gustav Kräussl in Goch. Bei Gründen höherer, politischer und brutal-terroristischer Gewalt „dauert es Wochen, bis man sein Geld nach einer Stornierung zurück hat. Fürs Umbuchen aber muss man sofort wieder 3000 oder 3500 Euro zahlen. Nicht jeder hat ein dickes Sparbuch,“ nennt Kräussl die Auswirkungen. Den Beratern in den Reisebüros im Kreis Kleve seien „die Hände gebunden“. Gerade am Samstag hat er zweieinhalb Stunden für eine Gocher Familie mit zwei Kindern eine gute Alternative zur umgebuchten Tunesien-Reise ausgetüftelt. Sie sollten Montag fliegen. Gar nicht so einfach, etwas preislich Adäquates zu finden. Türkei blieb nun als Ziel, ab Dienstag. Und doch etwas teurer. „Ich kann es persönlich gut nachvollziehen“, dass man nach den Attentaten auf Touristen das Reiseziel ändert, sagt er. „Die meisten Urlauber dorthin hatten wir aber im Mai“.

Selbstverständlich kostenlos stornieren, umbuchen, aber Beschwerdeanrufe hatte er nicht, sagt Benedict Martinac vom großen Reiseveranstalter „alltours“, der einst in Kleve gegründet wurde. „Die Menschen haben Angst“, wenn es um Tunesien geht, weiß er. „Zwei Gäste aus dem Kreis Kleve sind vorzeitig abgereist“.

Beim Urlaubsziel Griechenland kann er beruhigen: Die Reiseleiter vor Ort hätten die Geldautomaten getestet – mit ausländischen Karten funktionierten sie. Dennoch rät Martinac allen Urlaubern, bares Geld mitzunehmen.

„Bargeld oder Traveller-Schecks“ schlägt auch Nadine Spronk-Jaensch vor. Anfragen gab es von Griechenland-Reisenden. „Was ist, wenn die Währung verfällt?“, zitiert sie. Und andere wollen wissen, ob sie nun mit vielen Flüchtlingen am Strand säßen. „Was die Nachrichten zeigen, sind Momentaufnahmen“, sagt sie.

Meist buchen Griechenland-Fahrer „all-Inclusive“ und brauchen gar nicht viel Bares, weiß Kräussl. Rucksacktouristen wären eher im Vorteil, wenn die Drachme als Währung wieder eingeführt würde. Er ahnt aber, dass viele Hotels unter dem Preisdruck der Reiseveranstalter nun Preise senken müssten und manche in den Konkurs gingen. Oder die Qualität könne leiden, fürchtet er. Das Geschäfts-Ehepaar Kräussl übrigens fährt nacheinander in Urlaub – er im September nach Tunesien, sie vorher nach Griechenland.