Gemeinsam nach Lösungen suchen

Im Büro von Bärbel Vick laufen alle Fäden zum Thema Selbsthilfe zusammen.
Im Büro von Bärbel Vick laufen alle Fäden zum Thema Selbsthilfe zusammen.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Die Selbsthilfe-Gruppen im Kreis Kleve haben hohen Zulauf – besonders gefragt ist Hilfe bei Depressionen

Kleve..  Das Klischee ist Bärbel Vick nur all zu bekannt: In einer Selbsthilfegruppe hocken ein paar psychisch instabile Menschen im Stuhlkreis zusammen und baden in ihrem Selbstmitleid. Dieses Image haftet der Selbsthilfe noch immer gerade in ländlichen Regionen an, doch Vick, Koordinatorin des Selbsthilfe-Büros Kreis Kleve, stellt einen positiven Wandel fest: „Die Selbsthilfe-Gruppen haben unheimlich starken Zulauf. Allerdings genieren sich immer noch viele Menschen, wenn sie diese sinnvolle Ergänzung zu einer Therapie in Anspruch nehmen möchten.“

Dies gelte weniger für organische Erkrankungen wie Rheuma oder Diabetes als vielmehr für ein seelisches Leiden. Gerade zum Thema Depressionen gab es in den vergangenen Monaten eine immense Nachfrage – satte 75 Prozent der Anfragen, die Bärbel Vick in ihrem Büro in der Klever Innenstadt erreichen, drehen sich um psychische Probleme wie Depressionen oder Burnout. „Vor allem Depressionen sind eine Erkrankung unserer Leistungsgesellschaft, auch immer mehr junge Menschen leiden daran“, stellt Vick fest. Auch das Thema Alkoholismus sei stark mit Scham behaftet – die Betroffenen erkundigten sich oft bewusst nach einer Selbsthilfe-Gruppe außerhalb von Kleve, um in ihrem sozialen Umfeld nicht ins Gerede zu kommen.

Erster Schritt in Richtung Genesung

In einer Selbsthilfegruppe können Betroffene sich mit anderen austauschen und so ihren Handlungsspielraum erweitern, hier finden sie einen geschützten Raum, in dem nichts nach außen dringt. „Egal, um welches Problem es sich handelt – irgendwann sind Freunde und Familie wahrscheinlich damit überfordert“, erläutert Vick. „Gerade dann kann eine Selbsthilfe-Gruppe wertvolle Hilfe leisten, da hier eine gewisse Distanz unter den Teilnehmern gegeben ist.“

Im Kreis Kleve gibt es 145 Selbsthilfe-Gruppen zu den verschiedensten Anliegen. Allerdings könne dies immer nur eine unterstützende Wirkung auf dem Weg nach Lösungen und kein Allheilmittel für die Betroffenen sein, betont Vick: „Wer eine Selbsthilfe-Gruppe besucht, ist in seinem Genesungsprozess schon einen großen Schritt vorangekommen. Wer aber beispielsweise an akuten Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken leidet, sollte sich unbedingt professionelle Hilfe suchen – die Gruppe allein kann das nicht auffangen.“ Die Abläufe in den Gruppen sind derweil so unterschiedlich wie ihre Teilnehmer, starre Regeln gibt es nicht. Oft gibt es einen Moderator, der die Gespräche etwas strukturiert.

Wer eine Gruppe gründen möchte oder Informationen zu einer vorhandenen Gruppe benötigt, kann sich unter 02821 / 780012 an Bärbel Vick wenden. Das Selbsthilfe-Büro ist dienstags von 9 bis 12 und donnerstags von 14 bis 17 Uhr zur Sprechstunde geöffnet, darüber hinaus vergibt Bärbel Vick Termine nach Vereinbarung. Info: www.selbsthilfe-kreiskleve.de.