Gelebte Miteinander-Stadt

Goch..  Man steht vor dem Lebenswerk der eigenen Eltern, der eigenen Firma, und kann sie doch nicht vor den Flammen retten. Simone Völling-Leineweber hat das am Montag erlebt. Um 11 Uhr, als die Bushalle und zwei Busse Opfer eines Großbrandes wurden (wir berichteten). Um sie herum Freiwillige der Feuerwehr, Mitarbeiter.

Mit einmal ändert sich alles – real und gefühlt. Obwohl die an der Gocher Siemensstraße ansässige „Leineweber Autoreisen GmbH“ bereits am gestrigen Dienstag wieder alle gebuchten Fahrten erledigte. Der Betrieb läuft weiter. Die Firma kann auf dem Gelände bleiben.

Anruf der Kita

Eigentlich hat Simone Völling-Leineweber nicht die Muße, um über das Gesehene zu sprechen. Sie muss arbeiten, muss mit der Versicherung reden. Und doch erzählt die Inhaberin von ihrer Firma, von sich, von ihrem Erlebnis der realen Miteinanderstadt-Goch. Bisher war der Begriff für sie wenig fühlbar, erzählt Simone Völling-Leineweber, er sei eher ein Wahlkampfslogan gewesen. „Doch wenn man selber betroffen ist, ändert sich das“, sagt die Inhaberin. Von allen Seiten erfahre sie, ihre Familie, ihre Mitarbeiter Anteilnahme. Und auch Hilfsangebote.

„Die Kita rief an und fragte, ob man bei der Kinderbetreuung noch irgendwie helfen kann“, fällt der Mutter zweier Kinder ein erstes Beispiel ein. Nachbarn und Freunde melden sich genauso, bieten Hilfe. Auch die Busse der Firma können auf dem Nachbargelände stehen, das Angebot gab es umgehend. Feuerwehrmänner stärkten ihr den Rücken, suchten das Gespräch, zählt Simone Völling-Leineweber dankbar auf: „Ich habe junge Männer erlebt, die machen und tun und setzen ihr Leben aufs Spiel. Es ist schon erstaunlich was sie leisten. Und gut, dass ihnen dabei nichts passiert ist. Immerhin darf man nicht vergessen, dass ist ein Ehrenamt.“

Der Wert einer Gemeinschaft

Das Gemeinschaftsgefühl hat großen Wert. Denn ganz ehrlich gesagt, ist das Erlebte schlicht schrecklich, benennt es Simone Völling-Leineweber. Eine Hilflosigkeit. Sie hat ihre Mitarbeiter vor Augen, wie sie vor der zerstörten Halle stehen, wie sich ihre Betroffenheit in ihren Augen widerspiegelt.

„Das sind Fahrer, die bei uns seit über zehn Jahren arbeiten. Die mit uns die Firma aufgebaut haben. Die uns auf der Straße repräsentieren. Die mit dieser Firma gelebt haben – Wir sind alle fix und fertig“, erzählt die Inhaberin mit klaren Worten. Man sehe dabei zu, wie das Lebenswert der Eltern in die Luft gehe. Wie ein Häuflein Elend stehe man da und sei total hilflos. „Dabei hat man immer alles gemacht und getan. Und doch kann man nur darauf warten, bis alles nur noch Asche ist.“

So heftig der Großbrand für die Firma war und so anders sich die Arbeit im Unternehmen seit Montag 11 Uhr wohl anfühlt, ist es doch der Blick nach vorne, der Simone Völling-Leineweber bewegt. Die Gewissheit über die Zukunft des Familienunternehmens. „Das Positive überwiegt wirklich. Und man merkt wie viele – Freunde, Bekannte aber auch andere Firmen – zu einem stehen.“