Gegenwind aus Kessel

Kessel / Kranenburg..  Kessel positioniert sich. Rund hundert Vertreter der Dorfmeinung kamen auf Einladung des Heimat- und Verkehrsvereins Kessel zusammen und machten den Politikern klar: Sie wollen nicht, dass eine Reihe riesiger Windkraftanlagen mitten im Wald am Kartenspielerweg entsteht. Der betrifft eben nicht nur Kranenburg, sondern auch die Gocher.

Bekanntlich hat die Nachbargemeinde Kranenburg ihren Flächennutzungsplan geändert, um eine Konzentrationsfläche für Windenergie ausweisen zu können. Ob und in welcher Größenordnung tatsächlich „Windmühlen“ im Wald errichtet werden, steht noch nicht fest. Jede einzelne der 200 Meter in den Himmel ragenden „Mühlen“ muss ja genehmigt werden, was umfassende Prüfungen voraussetzt.

Auch in Kranenburg sind keinesfalls alle Ratsmitglieder für die Planung. Selbst aus der CDU-Mehrheitsfraktion gab es Nein-Stimmen und Enthaltungen. Eine kam von Bürgermeister Günter Steins. Der will sich zwar – ebenso wie die SPD-Kontrahentin – im Wahlkampf in diesem wichtigen Thema neutral zeigen. Aber man kennt seine positive Stimmung in Sachen Windenergie. So ist er denn auch für die Gegner ein klarer Befürworter, wenn nicht sogar der Motor des Projekts. Sein CDU-Kollege und konservativer Bürgermeisterkandidat aus Goch, Heinz van Baal, sitzt auf der anderen Seite. Er lebt in Kessel und ist Vorstandsmitglied des Heimatvereins. „Ich persönlich möchte keine Windkraftanlagen im Reichswald, und das habe ich Günter Steins auch gesagt“, so van Baal. Schließlich würden die riesigen Windräder direkt am Ortsrand von Kessel stehen und deutlich mehr die Kesseler als die Kranenburger stören. Zwölf Anlagen, die sich weit über die Baumgrenze erheben, seien keine schöne Vorstellung. Und wie viele Bäume abgeholzt werden müssten . . .

Steins wirft dem Aktionsbündnis gegen Wind und vielen pauschalen Protestlern vor, zu dramatisieren. „Maximal müssten zehn von 5000 Hektar Wald abgeholzt werden. Es sei Nadelwald, für den ein höherwertiger Mischwald wieder aufgeforstet würde. „Sehen Sie sich doch mal an, wie viele Holzstapel dort immer zur Abholung bereit liegen: Wir reden von einem Wirtschaftswald, nicht von einem ökologisch besonders wertvollen Urwald“, fügt Steins hinzu.

Bernd Thönnesen, Vorsitzender des Kesseler Heimatvereins, hat für nüchternen Austausch von Argumenten viel übrig. „Es gab bei unserer Veranstaltung keinen Krawall, sondern ein sachliches Pro und Kontra.“ Dass „auf dem letzten Meter Kranenburger Gebiets“ den Kesseler Bürgern die Sicht auf die Landschaft versperrt werden soll, stoße allerdings auf erhebliche Ablehnung. Thönnesen verweist auf die Möglichkeit, die Petition der Bürgerinitiative zu unterschreiben oder die Offenlage in Kranenburg für Eingaben zu nutzen.

Bei Kessel denken Gocher an Nergena und an das Wasserwerk Scheidal, betrieben von den Stadtwerken Goch. Haben sie Interesse an Wind aus dem Wald? Die Stadtwerke halten die Mehrheit an der Energieversorgung Kranenburg (EVK). Und der bot die Firma „ABO Wind“ an, sich am Windpark im Wald zu beteiligen. Stadtwerke-Geschäftsführer Carlo Marks sagt aber, das Angebot sei noch nicht hinreichend konkretisiert, um es der Politik vorzustellen. „Ich weiß auch noch nicht, ob ich eine Empfehlung aussprechen würde“. Wo der CDU-Bürgermeisterkandidat gegen das Projekt ist . . .

Eines ist für Carlo Marks klar: „Auch ohne die Beteiligung der Stadtwerke Goch würde ABO Wind das Projekt nicht aufgeben.“ Verhindern könnten es die Gocher wohl kaum.