Gegen Schweigen und Unwissenheit

Max Knippert beim Aufbau der "Black Box" an der Römerstraße.
Max Knippert beim Aufbau der "Black Box" an der Römerstraße.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Max Knippert und Ursula Meissner zeigen die Schrecken des Krieges. Und zwar auf dem Ehrenmal-Platz, an dem die Nazis einst Matarés „Toten Krieger“ aufbahrten

Kleve..  Die kleine Straße heißt noch „Am Ehrenmal“. Ansonsten erinnert auf der großen Grünfläche zwischen Stechbahn und Römerstraße gegenüber vom Stein-Gymnasium nichts mehr an das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. 1932 fand ein Architekturwettbewerb statt, die Nationalsozialisten haben es dann gebaut. Auf alten Fotografien von Otto Weber kann man es noch sehen: typische Nazi-Architektur, davor haufenweise Uniformierte mit zum Hitlergruß erhobenem Arm.

Monströse Anlage

Kein Wunder also, dass man nach dem Krieg nichts mehr von alledem wissen wollte. Dabei hat Ewald Mataré seinen „Toten Krieger“ für diese monströse Anlage geschaffen. Bürgermeister Görlich wollte Matarés liegenden Soldaten verhindern, doch weil der Emil Gustav Fahrenkamp kannte, den einflussreichen Architekten des Denkmals, kam es schließlich 1934 doch zum legendären Nazi-Fackelzug mit pompöser Einweihung der Skulptur. Vier Jahre später brachen die Nationalsozialisten die Mataré-Figur dann als „entartete Kunst“ wieder ab. Heute liegt sie restauriert vor der Stiftskirche.

Jetzt, zum 50. Todestag von Ewald Mataré, bricht ein anderer Künstler das Schweigen und die Unwissenheit, die sich in den 70 Jahren seit Kriegsende über die Geschichte des Platzes gelegt hat. Max Knippert installiert eine „BlackBox“, eine kreisförmige Stahl-Aluminiumkonstruktion mit 16 Türen. Die Hälfte davon ist über die Mittelachse drehbar, so dass das Innere und das Äußere nahtlos miteinander korrespondieren. Das Äußere der Blackbox dokumentiert die Geschichte des „Toten Kriegers“ und seines Erschaffers. Im Inneren werden Fotografien der Fotojournalistin Ursula Meissner zu sehen sein. Sie ist mit Arbeiten aus heutigen Kriegs- und Krisengebieten berühmt geworden.

„Ihre Bilder sind nicht blutrünstig, sie zeigen auch keine Täter, sondern sie fokussieren die Opfer in einer Rolle, in der immer noch Hoffnung durchschimmert“, beschreibt Knippert das Faszinierende, das Meissners Fotos ausmacht. Die gemeinsame „BlackBox“ der beiden verbindet den Krieg von damals mit den Kriegen von heute. Deren Opfer leben teilweise als Flüchtlinge in unserer Mitte - auch darum geht es Knippert. Zu zeigen, wie erschreckend schnell Gesellschaften auseinanderbrechen.

Eingeschlafene Projekte

Bei der Recherche ist der Klever Künstler zudem auf einen interessanten Ratsbeschluss von 1967 gestoßen. Damals wollte man wieder ein Ehrenmal an historischer Stelle errichten, drei Klever Architekten reichten Entwürfe ein. „Aber irgendwie ist das Projekt damals wieder eingeschlafen“, sagt Knippert. Und wie ist es heute?

Die BlackBox auf der Rasenfläche gegenüber vom Stein-Gymnasium wird am Sonntag um 14.30 Uhr von Museumsdirektor Harald Kunde eröffnet.