Gefahren für Jungvögel

Die Amseln sind jetzt richtig aktiv, um ihre Küken zu füttern.
Die Amseln sind jetzt richtig aktiv, um ihre Küken zu füttern.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Niedrige Temperaturen und Dauerregen gefährden den Nachwuchs. Bisher sieht es aber gut aus, auch wenn etwa die Störche noch lange nicht „durch“ sind

Kleve..  Ein paar wundervolle Frühlingstage liegen hinter uns. Jedenfalls was das Wetter betrifft. Und das kam auch vielen Tieren und Pflanzen zu Gute. Die Wärme hat das Pflanzenwachstum enorm gefördert und für die Tiere, die gerade Nachwuchs haben, ist trockene Wärme allemal besser als nasskalte Witterung. Wir sehen das ganz deutlich immer wieder bei den Störchen, wo Dauerregen und bestenfalls einstellige Temperaturen immer wieder zu hohen Verlusten beim Nachwuchs führen, weil die Jungstörche nass werden, auskühlen und verklammen - und dann verenden.

Auch wenn die Störche noch lange nicht „durch“ sind, bisher sieht es in diesem Jahr sehr gut aus. Man merkt das auch an den vielen anderen Vogelarten, die gerade ihren Nachwuchs füttern. Haben Sie Nistkästen im Garten oder alte Bäume mit natürlichen Höhlen? Dann können sie zurzeit sicherlich beobachten, dass Blau- und Kohlmeisen eifrig Futter in den Kasten eintragen. Das sind einige hundert Anflüge für jeden Elternvogel pro Tag. Bei Kohlmeisen braucht es zwischen 17 und 20 Tage, bis die Jungvögel ausfliegen. Im sicheren Nistkasten lassen sich die Küken richtig Zeit mit ihrer Entwicklung.

Und raus aus dem Nest!

Bei frei oder offen brütenden Vogelarten ist das deutlich anders. Die viel größere Amsel beispielsweise kann es sich nicht leisten, dass die Küken fast drei Wochen im Nest sitzen, womöglich laut betteln und sich füttern lassen. Viel zu groß wäre die Gefahr, dass das Nest von einem Fressfeind gefunden und ausgeplündert wird. Bei der Amsel verlassen die Jungvögel bereits nach 12 bis 13 Tagen das Nest. Die Küken können auch erst im Alter von etwa 18 Tagen fliegen, sind aber einzeln und versteckt sicherer als zusammen im großen Nest.

Noch extremer ist die Situation bei den Vögeln, die auf dem Boden brüten. Die Küken der Wiesenvögel wie Kiebitz, Uferschnepfe oder Rotschenkel verlassen das Nest schon am Schlupftag, sobald die Federchen trocken sind und der Hunger sich meldet. Die Wiesenvogelküken müssen nämlich vom ersten Tag an selbst ihr Futter finden. Deshalb werden sie von ihren Eltern durch die Wiesen geführt und gewarnt, sobald Gefahr droht.

Und Gefahren gibt es viele. Das zeigt ein Blick in langjährig geführte Statistiken zum Überleben von Vögeln. Bei vielen Kleinvögeln überleben kaum 10% das erste Lebensjahr. Dabei sterben schon viele Küken in den ersten Lebenstagen und -wochen. Es ist daher wichtig, dass die Vögel auf kleiner Fläche ganz viel Nahrung finden und dass sie dort auch gute Deckung haben. Leider nützt auch das nicht immer und überall. Für die Wiesenvögel ist beispielsweise der Fuchs ein ganz gefährlicher Beutegreifer.

Aber auch der Mensch hat seinen Anteil an den Verlusten. Frei laufende Hunde etwa sind eine große Gefahr für Junghasen, Rehkitze und Kaninchen oder auch für Vogelküken. Es ist deshalb gerade jetzt, in der Brut- und Setzzeit wichtig, dass Hunde an der Leine geführt werden. Viel gefährlicher als Hunde sind aber Katzen. Gerade für Vögel und deren Küken. Aus Vogelelternsicht sind unsere Mietzekatzen gefährliche Killer. Viel wichtiger als das Anleinen von Hunden ist deshalb aus Vogelsicht, dass Katzen nicht unbeaufsichtigt durch die Natur streifen können.

Ein Glöckchen für die Katze

Aber leider gibt es viel zu viele Katzen, die frei herumstreunen dürfen und dabei eine kaum einschätzbare Menge an Jungvögeln töten. Es wäre daher wünschenswert, wenn solche Katzen eine Glocke umhätten, dann wären die Vögel durch das Gebimmel wenigstes frühzeitig gewarnt. Für Vogelküken in Nestern, die von einer Katze entdeckt worden sind, ist aber auch dann oft keine Rettung möglich.