Gefährliche Ablenkung am Steuer

Flyer Polizei Kleve Handy am Steuer Smartphone im Auto und Verkehr Kopf Hoch bevor dein Blindflug tötet
Flyer Polizei Kleve Handy am Steuer Smartphone im Auto und Verkehr Kopf Hoch bevor dein Blindflug tötet
Was wir bereits wissen
Nach einer Schätzung der Polizei gibt es jedes Jahr 110 Tote und Verletzte im Straßenverkehr, weil Autofahrer sich während der Fahrt von ihrem Handy ablenken lassen. Eine Kampagne soll aufklären

Nur ein flüchtiger Blick aufs Smartphone oder gar eine SMS an der roten Ampel, ein kurzer Augenblick der Unachtsamkeit – und schon kracht’s. Ein Szenario, das sich laut Angaben der Polizei immer häufiger im Kreis Kleve abspielt. Etwa 110 Unfallopfer fordert die Ablenkung durch das Handy oder Smartphone am Steuer jedes Jahr, eine alarmierende Zahl.

Erst kürzlich soll bei einem Unfall in Kalkar ein Handy im Spiel gewesen sein, eine 19-Jährige hatte sich dabei schwere Verletzungen zugezogen. Die junge Frau war mit ihrem Golf die für Autos gesperrte Straße Oyweg in Richtung Kalkar gefahren, im Einmündungsbereich der Bennepstraße kam es zum Zusammenstoß mit einem Tankfahrzeug. „Die Ermittlungen laufen. Derzeit prüfen wir, ob der Unfall hätte verhindert werden können, wenn sich alle Unfallbeteiligten auf den Straßenverkehr konzentriert hätten“, sagt Polizeisprecherin Manuela Schmickler. Der Verdacht: Handy am Steuer. „Wir haben ein Smartphone sichergestellt“, so Schmickler. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre der Unfall am 22. Juni nur ein Beispiel von vielen.

Insgesamt sind im vergangenen Jahr mehr als 1200 Personen im Straßenverkehr des Kreises Kleve verletzt oder getötet worden. Immer häufiger spielt hierbei das Smartphone eine tragende Rolle, von dem sich Autofahrer nur all zu gern ablenken lassen. „Soziale Netzwerke und Nachrichtendienste haben einen immer höheren Stellenwert bekommen. Die Menschen glauben, dass sie immer erreichbar sein müssen“, sagt Manuela Schmickler. Zwar nehme die Anzahl der Freisprechanlagen in Autos zu, doch „leider ist auch ein Trend zu häufigerem Lesen und Schreiben von Nachrichten während der Fahrt festzustellen“, so die Beamtin.

Daher informiert die Polizei jetzt vor allem junge Fahrer mit einem Flyer über die Gefahren, die durch die Benutzung des Handys während der Fahrt entstehen. „Kopf hoch – bevor dein Blindflug tötet!“ ist der Titel des Flyers, der aus den Erfahrungen von Polizisten und Unfallstudien heraus entwickelt wurde. „Beim Telefonieren während der Fahrt reagieren Autofahrer wie mit 0,8 Promille im Blut“, sagt die Polizeisprecherin. Und dabei kann es zu ausgeprägter Konzentrationsschwäche, Einschränkung des Blickfeldes und der Sehfähigkeit sowie zu einer Verlängerung der Reaktionszeit um bis zu 50 Prozent kommen. „Beim Lesen einer Nachricht durchfährt man mit 90 Stundenkilometer ein 105 Meter langes Fußballfeld. Und zwar blind“, sagt Schmickler. Oder, um es noch drastischer zu machen: „Beim Schreiben einer Nachricht steigt das Unfallrisiko um das 28-fache.“

Bei vielen Unfällen sei die Ursache auf den ersten Blick unklar. „Darum werden zunehmend mehr Mobiltelefone nach schweren Unfällen beschlagnahmt, um die dort gespeicherten Daten auszulesen“, sagt die Polizeisprecherin. Oft lässt sich schon anhand von Telefonprotokollen feststellen, ob der Fahrer abgelenkt gewesen sein könnte.

Die Benutzung eines Smartphones während der Fahrt kann als grobe Fahrlässigkeit ausgelegt werden und bei einem Unfall zu Regressforderungen der Versicherung führen. „Neben dem Bußgeld von 60 Euro ist es auch der Punkt in Flensburg, der vor allem Fahranfängern richtig weh tut“, sagt Schmickler. Bei Führerscheinneulingen kann es im Wiederholungsfall zu einer Verlängerung der Probezeit kommen. Darum der Tipp der Polizei: Das Handy im Auto am besten gleich ausstellen.