Gebäuderoulette für Gocher Kinder

Otto setzt seine Chips in ganz großem Stil: Hier eine neue Kindertagesstätte für 100 unversorgte Kinder im Astra, da ein Abriss der Liebfrauen-Einrichtung samt Umzug in die Räume der Volkshochschule. Und dann noch ein Umzug der VHS in die leeren Räume der Pfalzdorfer Hauptschule. Im Casino Ratssaal halten alle den Atem an.

Dieses Gebäuderoulette stellte der Gocher Bürgermeister Karl-Heinz Otto den überrumpelten Lokalpolitikern jetzt in der Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses vor. Sie wurden degradiert zum Kopfnicken. Denn informiert waren die Lokalpolitiker über die zugespitzte Unterversorgung nach eigenen Aussagen nicht. Die Zahlen waren alle neu. Schriftliche Vorlagen gab es nicht. Nur viele, erschlagende, mündliche Fakten. Augenscheinlich gab es auch keine Vorgespräche mit den Fraktionschefs, oder doch? Zumindest die Pfalzdorfer Politiker wirkten gut informiert angesichts der Notgruppen-Idee, die laut Kita-Leiter Booth ja auch schon seit Herbst als Angebot an die Stadt im Raum steht.

Aber vielleicht hatte Otto einfach keine Lust, sich eine aus Verwaltungssicht sinnvolle Aktion zerreden zu lassen. Schon jetzt ist kaum Zeit, um alternative Ideen auszutüfteln, durchzuplanen und zu rechnen, um diese dann auf der entscheidenden Februar-Sitzung als Gegenvorschlag in petto zu haben. Ist der nun bestehende Zeitstress unumgänglich, oder doch hausgemacht?

So wie lapidar mal eben mündlich Großlösungen für städtische Gebäude eingeworfen werden, scheint das Ganze ausgeklügelt. Durchdacht. Geplant.

Zu den entmachteten Politikern gesellt sich, trotz Ottos Widerrede, ein gefühlter Angriff aufs Jugendzentrum Astra. Das Jugendangebot bleibe erhalten, muss aber aus dem Hauptgebäude raus. Lässt man die nahezu alternativlose Platzlösung und die entmachtete Politik außen vor - erhält Goch einen Ansatz, städtische Gebäude besser zu nutzen. Die Investition in städtisches Eigentum ist, nicht nur für eine schuldenreiche Kommune, absolut richtig. Ein Werterhalt, für den Bürger.

Besser noch wäre, städtische Kitas zu errichten. Dann würde sich der selbst fabrizierte Widerspruch (Kitaplätze - ja/ Geld für Baumaßnahmen - nein) langfristig aufheben. Bürgermeister Otto legt jedenfalls vor Ende seiner Amtszeit ein großes Outro hin. Er setzt auf Sieg, setzt auf Goch, setzt auf die Bank. Derbe Kritik wird er dennoch einstecken müssen: von Eltern, deren Kita-Kinder an einen neuen Standort müssen und von der Politik, die sicher gerne debattiert hätte, anstatt derart vorgeführt zu werden.