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Ganz oder gar nicht!

04.06.2012 | 09:52 Uhr
Ganz oder gar nicht!
Michael Heicks, Intendant Theater Bielefeld, Stadt Kleve

Kleve/Bielefeld. Für ein gutes Theater braucht man Leidenschaft: auf der Bühne und hinterm Vorhang. Und um den eigentlichen Theaterbetrieb herum braucht es gut vernetzte Förderer, die das Theater nach vorne bringen wollen, Überstunden machen, sich kümmern und mit viel Eigeninitiative für das Theater leben.

Michael Heicks lässt keinen Zweifel daran, dass ein gutes Theaterprogramm schwere Knochenarbeit im Stillen ist. Der Intendant des Bielefelder Theaters mit familiären Wurzeln in Kleve hat sein Haus zu einer deutschlandweit führenden Einrichtung gemacht. Für ihn heißt es: „Ganz oder gar nicht“.

Michael Heicks ist in der Theaterwelt ein beachteter Mann. Um so bemerkenswerter war es, dass er sich in dieser Woche für eine kleine Kulturdelegation aus seiner Heimatstadt viel Zeit genommen hat. Denn Stephan Derks, Jörg Cosar, Sigrun Hintzen, Alwine Stromenger-Pickmann und Reinhard Berens wollten von ihm wissen, wie man das Klever Theaterprogramm verbessern kann.

Um die Schauspielkunst in der Schwanenstadt ist es nämlich nicht gut bestellt. Die Theatervorstellungen werden schlecht besucht. Das kulturinteressierte Publikum zeigt dem Theater oft die kalte Schulter. Eine Statistik aus dem Frühjahr spricht Bände: Im Durchschnitt wollten in der vergangenen Saison nur 281 Menschen ein Theaterstück sehen, für jeden Abend legte der Steuerzahler in Kleve gut 6400 Euro oben drauf.

Es geht nicht nur ums Geld

Was muss also geschehen, um den angekratzten Ruf aufzupolieren? „Jemand muss die Fäden in der Hand halten“, sagt Michael Heicks. „Man muss vernetzt und präsent sein.“ Er regte an, Vereinbarungen mit Schulen zu treffen, ihre Schüler stärker ins Theater zu schicken. Theaterpädagogische Projekte seien wichtig – ebenso eine gute Mischung des Programms. Nicht nur Reisetheater anstellen, sondern durchaus auch eigene Produktionen mit Laientheatern vor Ort wagen. Warum nicht das XOX-Theater oder Theater im Fluss mal auf die große Bühne der Stadthalle holen?

Natürlich geht es auch um Geld. Aber nicht nur: „In Kleve wird schnell zu geldlastig diskutiert“, sagt Sigrun Hintzen. „Ein besserer Kontakt zu den Schulen kostet aber nichts – außer persönlichen Einsatz.“

Stephan Derks von der Stadt wies darauf hin, dass die Stadthalle für viele nicht attraktiv genug sei: die Bestuhlung und die Klimatisierung sei nicht optimal. Sein Etat fürs Theater betrage 75 000 Euro. „Das ist nicht viel“, bemerkte Intendant Michael Heicks.

Reinhard Berens sah in der Kulturreise eine Initialzündung für eine künftig intensivere Zusammenarbeit. „Für ein besseres Programm benötigt man einen langen Atem“. Einmal im Jahr das Programmheft drucken und dann abwarten, ob das Publikum kommt, reiche bei weitem nicht aus.

Für Alwine Stromenger-Pickmann steht die Qualität im Vordergrund: „Wir sollten lieber zwei Veranstaltungen weniger anbieten, aber dafür mehr Qualität bieten“, sagt sie. Nur auf Statistiken und Zahlen zu schielen bringe langfristig nichts.

Andreas Gebbink



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