Gans anders

Zehn verschiedene Gänsearten können wir am Niederrhein im Winter beobachten.
Zehn verschiedene Gänsearten können wir am Niederrhein im Winter beobachten.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Auch bei Schmuddelwetter muss Andreas Barkow jetzt raus, um die Gänse zu zählen. Darunter befinden sich mittlerweile auch viele seltene Exemplare

Kranenburg..  Es scheint, als würde auch dieser Winter nicht so wirklich winterlich werden. Es stürmt und regnet fürchterlich herbstlich und dazu ist es an viel zu vielen Tagen auch schon wieder frühlingshaft warm. Der Schnee im Dezember war wohl nur eine kleine Episode. Bei dem Wetter verkriecht man sich eigentlich am liebsten in einem warmen Zimmer und liest ein gutes Buch bei einer Tasse Tee. Aber es nützt ja nichts, denn es gehört zum Job der Biologen auch im Winter die Vogelbestände zu erfassen. Wir machen das bei der Nabu-Naturschutzstation zum einen ehrenamtlich, bei den regelmäßigen Zählungen der Wasservögel, bei den Gänsezählungen oder auch bei speziellen Synchronzählungen mit, zum Beispiel wenn Goldregenpfeifer auf dem Durchzug oder die rastenden nordischen Sing- und Zwergschwäne erfasst werden.

Synchronzählung bedeutet dann, dass z.B. deutschlandweit an einem Wochenende überall gleichzeitig bestimmte Arten gezählt werden. Damit bekommt man dann einen guten Überblick und vermeidet mit der Methodik, dass Vögel doppelt gezählt werden. Zudem machen wir über das Life-Projekt Grünland für Wiesenvögel auch noch regelmäßige Zählungen der Rastvögel in der Düffel. Bei diesen Zählungen dominieren im Januar natürlich ganz deutlich die Gänse. Besser gesagt, die arktischen Wildgänse. Und das sind dann noch präziser vor allem Blässgänse, aber auch Saatgänse. Diese arktischen Wintergäste treffen hier heimische Graugänse. Mittlerweile brüten auch mehr und mehr Kanada- und Nilgänse bei uns. Wie die Namen der beiden Arten schon andeuten sind Kanada- und Nilgans als Zoo- oder Haltungsflüchtlinge ausgebüxt und erst in den letzten Jahrzehnten bei uns heimisch.

Kolonien am Niederrhein

Aber es gibt bei den Zählungen noch ein paar andere Arten, die wir ab und zu in den Gruppen der arktischen Wildgänse ausmachen können. Am häufigsten finden sich noch auffällig schwarzweiß gefärbte Weißwangengänse in den Wiesen am Niederrhein. Die Weißwangengans lebt an den nordischen Küsten - und hat mittlerweile auch schon einen Brutbestand am Niederrhein aufgebaut. Es gibt eine große Kolonie am Reeser Meer und im Kreis Kleve brütet etwa die Hälfte des Weißwangenbestandes von Nordrhein-Westfalen.

Zu den Besonderheiten unter den Gänsen zählen die Seltenheiten. Da ist

zum Beispiel sehr hübsche Rothalsgans, die schwarz und weiß und rostrot befiedert ist. Am Niederrhein werden jedes Jahr einzelne Exemplare zwischen Blässgänsen oder Weißwangengänsen beobachtet. Im Dezember gab es beispielsweise Beobachtungen aus dem Deichvorland bei Grieth oder nahe der Rhein-Brücke nach Emmerich. Auch die küstenbewohnende Ringelgans kann ab und zu beobachtet werden. Diese Gans ist ganz schwarz – bis auf einen weißen Ring am Hals.

Die besondere Herausforderung ist es aber die seltene Kurzschnabelgans oder gar eine Zwerggans zu entdecken. Das ist zum einen deshalb schwer, weil beide Arten ganz ähnlich aussehen, wie die zu tausenden auftretenden Bläss- und Saatgänse und sich dann eben auch noch oft mitten unter diese mischen. Da braucht es schon ein verdammt gutes Auge, um den hellen Augenring der Zwerggans oder die rosa Füße der Kurzschnabelgans zu entdecken. Wirklich klar kann eine Bestimmung dann erst sein, wenn ein ganzes Bündel von Merkmalen für eine Art zutrifft. Deshalb ist es hilfreich, die Vögel auch zu fotografieren, um im Zweifel mit Experten die Artdiagnose zu diskutieren. Denn die Zwerggans ist nicht unbedingt die kleinste Gans im Trupp und kurze Schnäbel haben nicht nur Kurzschnabelgänse.

Haben Sie mitgezählt? Zehn verschiedene Gänsearten können wir am Niederrhein im Winter beobachten. Aber das gelingt mir bei Weitem nicht jedes Jahr – auch dann nicht, wenn das Wetter richtig winterlich ist und ich eigentlich gerne auf dem Deich stehe und Vögel beobachte.