Für die Kohle brennen

Reichswalde..  Der Meiler kennt keine Uhrzeit. Er kennt nur Sonne und Regen, Kälte und Wärme, Erde und Luft. Rund um die Uhr muss man ihn bewachen, an ihm arbeiten, ihn pflegen. „Es gibt kein älteres Handwerk in dieser Gegend“, sagt Wilhelm Papen selbstbewusst. Gemeinsam mit Herbert Nowak steht er am rauchenden Meiler und sagt: „Im Reichswald hat man Kohle gefunden, die aus dem Jahr 1300 vor Christus stammt.“ Schon damals lebten Menschen hier, die aus Holz Kohle machten. Aus einem Rohstoff ein wertvolleres Endprodukt.

Das Meilerfest in Reichswald gibt es seit 1992, vorher war es in ein paar Jahre Hasselt beheimatet gewesen. Für Nowak und Papen ist es weit mehr als Brauchtum und Tradition. Es ist eine Leidenschaft. Wilhelm Papen hat drei Broschüren herausgegeben, die sich mit der Köhlerei und Reichswalde beschäftigen. Er hat in Archiven geforscht, Gedichte und Geschichten zusammengetragen, Freunde und Bekannte zum Mitmachen animiert. Und jetzt, beim Meilerfest 2015, das am Samstag eröffnet wurde, verpulverisiert Papen fünf Wochen Urlaub mit der Köhlerei. Vier Stunden am Tag schläft er im Bauwagen, mehr ist nicht drin, denn trotz aller Erfahrung ist immer noch die Aufregung da, das innere Brennen für das Feuer, das unter der Erde das Holz verwandelt. „Jeder Meiler ist anders“, sagt Nowak. Aus dem großen Hügel, den man nur mit einer Leiter besteigen kann, wird am Ende ein Häuflein. Ein Fünftel des Holzgewichts bleibt übrig, aus 20 Raummetern resultieren etwa vier Tonnen Kohle. „Sie hatten doch schon mal einen größeren Meiler“, erinnert sich eine Zuschauerin. Nowak nickt. Aber die fertige Kohle sei dann zu lange im Meiler drin, die Qualität also schlechter. Darum schichten sie jetzt lieber zwei Meiler nacheinander auf, jeder kokelt etwa eine Woche. So kann man den Leuten außerdem nochmal die ganze Arbeit zeigen.

Denn die geht eine Woche vor dem Meilerfest schon los. Und wenn die letzten Besucher am 7. Juni gegangen sind, haben die beiden Köhler immer noch keine Ruhe – dann benötigen sie etwa noch eine Woche, bis die letzten Spuren beseitigt sind. „Und den Rauch habe ich noch vierzehn Tage in irgendwelchen Ritzen“, lacht Nowak. Bereitwillig geben sie den zahlreichen Besuchern Auskunft, die vorzugsweise mit dem Rad gekommen sind.

In früheren Zeiten muss der Ruf der Köhler nicht so gut gewesen sein, weiß Papen: „Köhler wurden im Mittelalter nicht in Zünfte aufgenommen.“ Man traute den verrußten Gestalten nicht, die im tiefen Wald mit Feuer hantierten und Holz brennen ließen, ohne dass Asche entstünde. Heute ist das glücklicherweise anders. Und die Kohle, die Papen und Nowak in diesen Tagen herstellen, ist längst schon im Voraus verkauft. Wer beim nächsten Meilerfest 2017 Kohle haben möchte, sollte sich schon jetzt dafür anmelden.

Die spannenden drei Broschüren von Wilhelm Papen gibt es in der Buchhandlung Hintzen und beim Meilerfest für je 3 Euro.

Das Meilerfest am Krähental 12 lockt noch bis zum 7. Juni, auch mit einem vielseitigen Begleitprogramm. Der Erlös des Festes geht an den St. Anna Kindergarten.