Freiherr vom Stein – Der Herr der Reformen

Freiherr vom Stein, gemalt von Rincklake
Freiherr vom Stein, gemalt von Rincklake
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein residierte kurze Zeit in Kleve. Dann vertrieben ihn die Franzosen

Kleve..  In der deutschen Geschichtsschreibung kommt er ziemlich gut weg. So gut, dass zahlreiche Schulen nach ihm benannt sind. Auch in Kleve. Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein, geboren 1757 in Nassau, gilt als einer der großen Reformer Preußens. Als Staatsminister und ab 1807 sogar als leitender Minister wirkte er wesentlich an mehreren großen Projekten mit. Da ging es zum Beispiel um die Befreiung der Bauern aus der Leibeigenschaft und um die Selbstverwaltung der Städte.

Aber weder wird man als Reformer geboren, noch bekommt man automatisch die Möglichkeit, sie auch umzusetzen. Um mit der Umsetzung zu beginnen: Die konnte er letztlich nicht begleiten, antreiben oder korrigieren, weil er schon 1808 vom preußischen König entlassen wurde. 1812 wird er politischer Berater des russischen Zaren. Im gemeinsamen Kampf gegen Napoleon sind derartige Bündnisse verständlich. Aber mit Reformen im Stein’schen Sinne hatte der Zar nun überhaupt nichts am Hut.

Kollege Hardenberg war vorsichtiger

Wenn man so will, war Stein eine Art Vorkämpfer der Reformer, ein Sprachrohr, einer, der direkt auf sein Ziel losgeht und dessen Fall darum nur eine Frage der Zeit ist - Mittel dazu finden sich immer. Sein Kollege Hardenberg war vorsichtiger. So vorsichtig, dass er am Ende nahezu alles mitmachte. Ohne ihn, mag er gedacht haben, würde es noch schlimmer kommen. Doch da war Stein schon längst wieder Privatmann, lebte ruhig im westfälischen Cappenberg und war damit beschäftigt, eine „Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde“ zu gründen.

In Cappenberg wird er gemütlicher gewohnt haben als in Kleve. Ab 1793 residierte er als Präsident der „Klevischen Kriegs- und Domänenkammer“ in der Schwanenburg. Stadtarchivar Bert Thissen hat vor einigen Jahren in alten Unterlagen gegraben und dabei herausgefunden, dass dieser Karriereschritt für den Freiherrn eine ziemliche Zumutung gewesen sein muss. Das Schloss war unbeheizbar, zugig und überhaupt in desolatem Zustand.

Stein und seine junge Gattin hatten aber noch ein anderes Problem: Weder verstanden sie die Klever richtig noch die Klever sie. Denn hier sprach man nahezu ausschließlich Klever Platt. „Dies ist das einförmigste Land, das der Schöpfer je gebaut hat“ - diese vernichtende Aussage über Kleve hat Thissen in einem Brief Steins gefunden. Kein Werbespruch fürs Kleve-Marketing.

Dass er nicht länger in Kleve bleiben musste, verdankte Stein ausgerechnet den Franzosen. Die eroberten 1794 Kleve. Der leitende preußische Beamte zog daraufhin weiter. 1796 wurde er Oberkammerpräsident aller westlichen preußischen Territorien in Minden. Da wird er mit seinem Hochdeutsch besser zurechtgekommen sein. Wenn er nicht als gebürtiger Nassauer ohnehin mit hessischem Zungenschlag gesprochen hat.

Am Ende seines Lebens war aus dem energischen Reformer in vielen Punkten ein Reformgegner geworden. Aber da hatte er ja längst keine Macht mehr. In den wenigen Jahren, in denen er sie hatte, versuchte er sie mutig ganz im Sinne der Reformer zu nutzen. Und so bleibt er mit all seinen Stärken und Schwächen am Ende doch ein würdiger Namenspatron für die vielen Freiherr-vom-Stein-Schulen in Deutschland.