Forschung statt Fischzucht
16.07.2010 | 17:14 Uhr 2010-07-16T17:14:00+0200
Kalkar.Jede Menge Sand, blaues Wasser, auf der gegenüberliegenden Seite kleine Segelboote: Bei hochsommerlichen Temperaturen möchte man am liebsten gleich ins kühle Nass springen.
Doch die Klever Schreiner Martin Böing und Henrik Friedrichsen müssen trotz verlockender Umgebung ihren Job machen. Sie setzen die Fenster der schwimmenden Forschungsstation ein. „Die liegt mittlerweile auf dem Wasser“, freut sich Kai Artus, Prokurist im Kieswerk Maas-Roeloffs.
Projekt kostet
500 000 Euro
500 000 Euro lässt sich Maas-Roeloffs das Forschungsvorhaben auf dem Baggersee Birgelfeld kosten. Nicht grundlos. „Wir wollen hier weiter auskiesen. Um dafür von der Stadt grünes Licht zu bekommen, hatten wir den Auftrag, ein städtebauliches Konzept für die Nachfolgenutzung, also ein Konzept mit ‘gesellschaftlichem Mehrwert’ vorzulegen und auch umzusetzen“, erklärt der Leiter des Kieswerkes.
Und das sieht nicht etwa eine Fischzucht oder Reisplantage vor, wie zunächst überlegt. „Unser Thema ist die Energiegewinnung, und zwar mit Photovoltaik, Wasserpumpen-Technik, Solar, und, und. Das ist etwas Besonderes, mit der Lichtreflexion der Wasseroberfläche“, erklärt Artus, dem man die Begeisterung für seine eigene Idee anmerkt. Immerhin ist auch das Fraunhofer-Institut beteiligt, begleitet das Projekt hochwissenschaftlich. Und RWE ist mittlerweile ebenfalls mit ins Boot, bzw. aufs Boot gekommen.
Politik und Verwaltung in Kalkar sind jedenfalls begeistert, der Klever Architekt Friedhelm Hülsmann sowieso. Artus: „Mittlerweile kommen von überall her Anfragen, was wir hier genau machen wollen.“
Über drei Jahre soll die 21 Meter lange, elf Meter breite und fünf Meter hohe Station, die auf acht Pontons befestigt ist, klären, ob man ein geplantes Baugebiet am Rande des Sees CO2-neutral mit Energie versorgen kann. An dem Konzept dafür hat das Fraunhofer Institut ein halbes Jahr gearbeitet.
Seine endgültige Position, etwa 50 Meter von dort, wo sie jetzt vor Anker liegt, hat die Forschungsstation, die mittlerweile auch versichert ist, noch nicht erreicht. Der jetzige Standort sei für die Bauarbeiten ideal.
Positive Signale
aus Düsseldorf
Dass das Vorhaben auch planungsrechtlich mit Blick auf die angedachten 40 CO2-freien Häuser, die vielleicht schon in fünf Jahren errichtet werden könnten, durchläuft, daran zweifelt Kai Artus nicht. „Aus Düsseldorf haben wir positive Signale erhalten.“
Auch wenn sich die Fertigstellung wegen des langen, kalten Winters verzögert hat: „Im Spätsommer soll die Station einsatzbereit sein“, ist sich Artur sicher.
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