Forscher, Förderer - und Arzt

Das Museum Haus Koekkoek in Kleve.
Das Museum Haus Koekkoek in Kleve.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Forscher, Förderer - und ArztDr. Heinrich van Ackeren entstammte einer Ärztefamilie. Nach dem Krieg widmete er sich dem kulturellen Wiederaufbau seiner Stadt

Kleve..  Bei manchen Menschen fragt man sich, ob deren Tage länger als 24 Stunden dauern. Anders scheint kaum erklärbar, wo sie die Zeit für ihr Engagement hernehmen. Dr. med. Heinrich van Ackeren (1901-1983) gehörte zu diesen Menschen. Er entstammt einer Ärztefamilie. In Emmerich geboren, zog seine Familie schon wenige Monate nach seiner Geburt nach Kleve in das ehemalige Wohnhaus von B. C. Koekkoek.

Das Haus vom Vater

Auf dem Grundstück links daneben wurde das Haus vom Vater nach Entwürfen des Kölner Architekten Krings um weitere vier Fensterachsen erweitert. So entstand eine Arztpraxis mit eigenem Eingang, Haus Koekkoek bekam seine heutige Größe. Hier verlebte van Ackeren seine Kinder- und Jugendzeit, 1928 übernahm er die vom Vater eingerichtete Praxis. Er heiratete Anne-Lise Mecker aus Bremen und bekam mit ihr fünf Kinder.

In den 30er-Jahren war Heinrich van Ackeren Erster Vorsitzender der katholischen Studentenvereinigung „Hochland“. Diese war aus der katholischen Jugendbewegung entstanden und den Nazis ein Dorn im Auge. Daher wurde er in Goebbels‘ Reichsministerium nach Berlin zitiert. Die Nazis wollten „Hochland“ in eine nationale Organisation umwandeln, Heinrich van Ackeren weigerte sich. Statt eines Verbots der Vereinigung einigte man sich auf eine Auflösung.

Seitdem stand van Ackeren unter Beobachtung. Dem Arzt blieb die Einberufung zum Wehrdienst nicht erspart. Während eines Fronturlaubs 1944 wurde auf seine Veranlassung die Barockkanzel und das Chorgestühl der Minoritenkirche in Sicherheit gebracht, da sie in der zerstörten Kirche Wind, Wetter sowie Plünderungen ausgesetzt waren. Zu dieser Zeit war die Zivilbevölkerung bereits evakuiert, als Soldat durfte Heinrich van Ackeren in den militärischen Sperrbezirk. Erleichternd für diese Erlaubnis dürfte sich ausgewirkt haben, dass der damalige Stadtkommandant Wilke ebenso wie Dr. van Ackeren Mitglied der Vinzenz-Bruderschaft war.

Nach dem Kriege widmete er sich dem kulturellen Wiederaufbau und der Erforschung der Heimatgeschichte. 25 Jahre war er im Kirchenvorstand der Unterstadtpfarre und 34 Jahre Vorsitzender der Vinzenzkonferenz, Förderer der Antonius-Bruderschaft und Vorsitzender der Ärztekammer Nordrhein sowie Kreisverbandsarzt des DRK.

Schon vor dem Krieg war er Mitglied des Klevischen Heimatbundes gewesen, danach erwarb sich Heinrich van Ackeren besondere Verdienste um den Klevischen Heimat- und Verkehrsverein, dessen Vorsitz er von April 1958 bis zu seiner Wahl zum Ehrenvorsitzenden im September 1975 innehatte.

Er gab entscheidende Anstöße auf kulturellem Gebiet. In seiner Zeit als Vorsitzender wurde die Prinz-Moritz-Gedenktafel am Park errichtet, das Kurfürstendenkmal wiedererstellt, das Grabmal in Berg und Dal wieder aufgebaut. Zwischen 1953 und 1981 sind 28 Beiträge von ihm im „Kalender für das Klever Land“ erschienen.

Sein Haus Koekkoek

1956 verkaufte er „sein“ Haus Koekkoek an die Stadt Kleve, die es dann als städtisches Museum nutzen konnte. Nach 46 Jahren Arbeit in seiner Praxis übergab er sie 1974 an seinen zweiten Sohn Gerhard, der sie in vierter Generation fortführte. Im Oktober 1978 beschloss der Rat die Ehrenbürgerschaft für Dr. van Ackeren, welche ihm im Januar 1979 verliehen wurde. Als Dr. Heinrich van Ackeren im Februar 1983 zu Grabe getragen wurde, wehten in Kleve vom Schwanenturm und von öffentlichen Gebäuden die Fahnen auf Halbmast.