Flexibel und migrationsbereit

Zwei Nilgänse halten Ausschau von einem tansanianischen Affenbrotbaum aus.
Zwei Nilgänse halten Ausschau von einem tansanianischen Affenbrotbaum aus.
Foto: Nabu
Was wir bereits wissen
Im Grund ist die Nilgans ein Niederrheiner mit Migrationshintergrund. In Afrika hockt sie im Baum, hier eher am Boden. Im Reichswald brütet sie teils schon im Winter

Kleve..  Als mich der Lokalredakteur der NRZ Kleve anrief, um das „Natur pur“-Thema für den Rosenmontag zu besprechen, fiel mir unter den Tieren gleich die Nilgans ein. Irgendwie ist der Vogel „Jeck dat janze Jaar“, wie Wolfgang Niedecken einst sang.

Die Nilgans stammt ursprünglich – der Name gibt da einen Tipp – aus Afrika. Bei einer Exkursion mit Studenten hatte ich 2002 einmal das „Glück“, die Art in Tansania zu beobachten.

Ich lag noch im Zelt und es war ganz früh am Morgen, nahe eines Sees, an dem wir in der Nacht zuvor Flusspferde beobachtet hatten. Ein ganz merkwürdiges Geschrei aus einem hoch gewachsenen Affenbrotbaum hatte mich geweckt. Da ertönte laut trompetend ein arg rüpelhaft klingendes Röcheln, Tröten und Zischeln. Ein mit Spannung durch’s Fernglas geworfener Blick brachte schnell ernüchternde Aufklärung: Nilgänse! Ach die! Auch hier.

Fand ich damals ganz schön unpassend, eine mittlerweile bei uns so allbekannte Art dann auch noch im tiefsten Afrika zu treffen. Und noch dazu hoch oben im Baum. Eine Gans! Nee, also bei der Nilgans muss man auch als Ornithologe nochmal ganz von vorne anfangen.

Südlich der Sahara zu hause

Aber im Afrika südlich der Sahara und im südlichen Niltal ist die Nilgans zu hause. Dort hat sie in ihrer Entwicklung all die Anpassungen erfahren, die die Nilgänse, die heute bei uns leben, so erfolgreich machen.

Die Nilgans ist unglaublich flexibel. Das zeigt sich beispielsweise bei der Nistplatzwahl. Sie kann auf dem oder im Boden brüten. Aber auch in einer Höhle im Baum oder auf einem alten Greifvogelhorst oder einer Storchennisthilfe. Auch Flöße, Felsen oder Gebäude – eigentlich gibt es kaum einen unmöglichen Neststandort, wenn nur Wasser in der Umgebung ist. Sogar im Reichwald kann man diesem Vogel begegnen. Zudem scheint sich die Nilgans überhaupt nicht um unsere Jahreszeiten zu scheren. Die Nilgans brütet tatsächlich manchmal schon im Winter. Vorige Woche rief bei uns in der Station ein Journalist an und berichtete dass jemand jetzt schon Gössel beobachtet hätte. Ein klarer Fall, das können nur Nilgänse sein.

Keine große Scheu

Weil die Nilgänse bei uns von Menschenhand eingeführt oder aus Gefangenschaft in die Natur ausgebüchst sind, kennen sie Menschen und haben oft keine große Scheu. Das heißt nicht, dass die Vögel nicht vorsichtig sind, aber sie meiden Menschen und deren Siedlungen nicht. Große Ansammlungen von Nilgänsen finden sich nach der Brut oft in der Nähe von landwirtschaftlichen Höfen, zum Beispiel bei Düffelward, Niel, Rindern oder Keeken.

Wintermilde Landschaft

Dort finden sie auch über das ganze Jahr ausreichend Nahrung: Pflanzen, Getreide, Gemüse oder Kartoffeln aber auch Würmer und Insekten. Nilgänse schätzen unsere niederrheinische Landschaft mit den vielen Gewässern wie Abgrabungen, Gräben, dem Rhein und auch den Blänken, die hier und da aus Naturschutzgründen angelegt werden – wenn auch nicht in erster Linie für Nilgänse. Denn die sind bereits sehr häufig geworden und scheinen sich nach wie vor in NRW weiter auszubreiten. Die Art profitiert ganz offenbar von unserer wintermilden gewässer- und nährstoffreichen Landschaft.

Und weil in der nächsten Woche Rosenmontag ist, haben in der NRZ dann die Profi-Jecken Vorfahrt und Nilgans & Co müssen dann mal den Schnabel halten.