Fehlerquote: Null

Apotheke im Logistikzentrum Uedem
Apotheke im Logistikzentrum Uedem
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Was wir bereits wissen
830 000 Packungen und 53 000 selbst hergestellte Medikamente gehen pro Jahr von Uedem aus auf die Reise in 13 Krankenhäuser und 14 Rettungswachen.

Uedem / Kreis Kleve..  Das Arbeitsklima ist freundlich ... und leise. Geräuschlos transportiert das kleine Laufband Schachtel um Schachtel zur gummierten Kreuzung, an der die eine Packung automatisch Vorfahrt hat, die andere auf der Stop-straße hält. Kira Aaldering liest an ihrem „Handhalter“ die Bestellung verschiedener Krankenhausabteilungen ab – sie wurden codiert übermittelt. Alina Hetzel hat heute die Leitung für den „Batch“: für 28 blaue Kisten, die per Kleintransporter zu den Hospitälern ausgeliefert werden. Sie legt auf, die Schachteln gleiten zwei Kameras entgegen, verschwinden im Licht-Tunnel. Hier wird doppelt gescannt: Der Strich-Code und ein Foto der Packung selbst. Hundert Stück pro Stunde. 830 000 Packungen im Jahr flitzen hier durch. Fehlerquote: Null.

Mittlerweile 13 Krankenhäuser zwischen Kleve, Goch, Kalkar und Duisburg, Dinslaken und 14 Rettungswachen in den Kreisen Kleve und Wesel werden von Uedem aus mit Medikamenten versorgt. Der Leiter der Der Leiter der Apotheke des Katholischen Karl-Leisner-Klinikums ist Detlef Stapelfeldt, auch Leiter des gesamten Logistikzentrums, das zentral alles liefert, „vom Bleistift bis zur Aspirin, vom Klopapier bis zur Infusion“, sagt Stapelfeldt (denn unterm Dach ist ja auch das MedicalCareCenter Niederrhein, MCCN). Das pharmazeutische Apotheker-Fachwissen über Wechselwirkungen und Dosierung wird täglich gefragt, sowohl von Ärzten und Schwestern am Telefon, als auch vor Ort.

Für vier Wochen ist zurzeit ein Kollege nach Goch abgestellt. „Es wäre sinnvoll,“ aber personell kaum machbar, wenn jedes Krankenhaus des Katholischen Karl-Leisner-Klinikums eine eigene Apotheke hätte, so Stapelfeldt. Heute sind hier neun Apotheker für 3319 Betten zuständig.

Sie schicken nicht nur industriell hergestellte Arzneien auf die Reise. Zum Beispiel brauchen frühgeborene Babys, die noch nicht trinken und nicht schlucken können, Infusionen. Ein- bis Drei-Liter-Beutel für Erwachsene sind zu groß, den Frühchen reichen 50 Milliliter, aber eben in richtiger Dosierung an Zucker, Eiweißen, Elektrolyten, Vitaminen. Der Bedarf ist so klein, dass die Industrie sowas nicht herstellt. Also macht man es lieber selbst. So haben auch zwei getrennte, sterilen Labor Platz hinter den hellgrauen Mauern in Uedem.

Die Kollegen dort stellen pro Jahr rund 53 000 Mittel selbst her – davon 35 000 Zytostatika zur individuellen Behandlung von Krebs (Chemotherapie), 14 000 Rezepturen wie Salben, Kapseln, Lösungen, und 3500 Mittel für Frühchen. Zum Beispiel Irene Kottke, eine der elf Pharmazeutisch-technischen Assistentinnen im Hause, füllt milligrammgenau Medizinkapseln für Kinder, weil typische Erwachsenenkrankheiten – Kreislauf, Bluthochdruck, Magenerkrankung – auch bei Kleinen auftreten können. Die Wirk-Dosis wird mit Milchpulver gestreckt und kann auf den Stationen in den vier Pediatrien (Kinderabteilungen) in Kleve, Geldern, Wesel und Dinslaken bei Bedarf auch aufs Löffelchen gegeben werden.

Leiter Detelf Stapelfeldt war schon der Leiter, als 1983 die erste Apotheke im Klever St.-Antonius-Hospital eröffnete. Seine Hobbysammlung liegt in der Vitrine: Alte Medikamente in bunter 60er-Jahre-Verpackung, Äther zum Narkotisieren, Morphium-Mörser und die charakteristische drei-eckige Morphium-Flasche, damit der Apotheker sich nicht mal versehentlich vergriff. Übrigens ist heute das moderne Logistikzentrum (eröffnet 2009) doppelt und dreifach gegen Einbruch gesichert. Die Opiate lagern zudem im Tresor, der im Boden verdübelt ist.

Neben den Krankenhäusern (siehe Infobox) versorgt das Zentrum auch Rettungswachen in Goch, Kleve, Kevelaer, Emmerich, Geldern, zwei in Dinslaken, zwei in Wesel, Schermbeck, Xanten, Kamp-Lintfort, zwei in Rheinberg.