„Es gab Tage, da habe ich 80 000 Euro gewonnen“

Kleve..  Manchmal hatte er Glück, und dann nahm er sich vor, morgen alles wieder zurückzuzahlen. „Es gab Tage, da habe ich innerhalb einer Stunde 80.000 Euro gewonnen“, berichtete Bernd K. (40) – nicht schlecht für jemanden mit einem Jahresgehalt von 70.000 Euro. „Doch am nächsten Tag war alles wieder weg.“

Weil er das Geld dann doch nicht zurück in den Tresor der Aldi-Filiale in Kleve-Kellen gelegt hatte, sondern auf der Jagd nach dem noch größeren Gewinn war. Das Gespür für den Ausgang von Fußballspielen hatte ihn am folgenden Tag wieder verlassen. Um diesen Verlust auszugleichen, griff er erneut in die Kasse des Discounters – ein Teufelskreis.

Als die Sache im Frühjahr 2014 nach sechs Monaten aufflog, hatte K. 105 „Safe Packs“, nummerierte Plastikbeutel zur Bargeldaufbewahrung, aus dem Tresor der Filiale entwendet und die Fälle gegenüber seinen Vorgesetzten mit Umbuchungen und anderen Täuschungsmanövern verschleiert. So konnte K. zusätzlich zum bereits verwetteten Privatvermögen, auch noch 260 290 Euro von Aldi verzocken. Als er enttarnt wurde, sei er „irgendwie auch erleichtert“ gewesen. Man glaubt es ihm, so wie er da jetzt reumütig im Amtsgericht Kleve auf der Anklagebank sitzt. K. sagt: „Ich möchte Verantwortung übernehmen und versuche, das Geld zurückzuzahlen, und besonders möchte ich mich bei meiner Frau entschuldigen – ich kann es leider nicht rückgängig machen.“

In dem Verfahren räumte K. die Vorwürfe der Anklage in vollem Umfang ein: „Ja, das ist alles korrekt.“ Eindringlich schilderte er dann, wie die Spielsucht von ihm Besitz ergriff. Es fing an im Casino in Nimwegen, wo er 30 000 Euro Privatvermögen verzockte. 2006 ließ er sich dort sperren und hielt zwei Jahre durch, bevor er Online-Sportwetten als neues Betätigungsfeld für sich entdeckte. Fünf Jahre wettete er auf Fußballspiele, „dann waren alle Konten leer“ – und er griff erstmals in die Kasse seines Arbeitgebers.

Aldi feuerte ihn nach der Entdeckung und forderte das Geld zurück. Jetzt arbeitet K. als Schichtleiter in Emmerich und ging seine Spielsucht mit einem stationären Klinikaufenthalt und mit Gesprächstherapien an. Reue, Wiedergutmachungsbemühungen und Krankheitseinsicht – all dies veranlasste Staatsanwalt Hirneis, trotz der Schwere der Tat nur eine zweijährige Bewährungsstrafe zu fordern. Dem schloss sich auch K.s Verteidiger Dr. Karl Haas an: „Sein Geständnis ist nicht nur Informationsübermittlung, sondern heißt, dass er zu der Sache steht.“

Richter Reekers sah die Sache in seinem Urteil ebenfalls im sanften Licht der mildernden Umstände und hob insbesondere die pathologische Spielsucht sowie die „tiefe Tatreue“ des Angeklagten hervor. Auch den Staat nahm er in die Pflicht: „Die Gesellschaft wird sich Gedanken darüber machen müssen, ob es richtig sein kann, dass jemand innerhalb weniger Tage sein ganzes Vermögen verspielt.“

Das Amtsgericht verhängte eine Haftstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, so dass K. unmittelbar nach der Urteilsverkündung von seiner Frau freudestrahlend umarmt werden konnte – bei aller Tragik ein kleines Happy End.