Erzieherinnen: „Wir sind es wert“

Auch Eltern zeigten sich solidarisch, hier Chantal van Echtelt neben Verdi-Mann Fabian Gödeke
Auch Eltern zeigten sich solidarisch, hier Chantal van Echtelt neben Verdi-Mann Fabian Gödeke
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Was wir bereits wissen
Gut ausgebildete Fachkräfte „mit Leidenschaft, Persönlichkeit und Herzblut“ kämpfen für eine angemessene Bezahlung bei wachsenden Aufgaben.

Kleve..  „In den letzten 20 Jahren hat sich viel verändert. Wir fordern, eine Anerkennung dafür, was wir alles leisten’“, bringt es Erzieherin Nadine van Beuningen aus der städtischen Kita Kleeblatt auf den Punkt. Sie zog gestern mit ihren Kolleginnen aus drei städtischen Kitas sowie Streikenden aus Duisburg, Voerde, Dinslaken die Stadt hinunter zur Kundgebung: „Wir sind es wert“. An ihrer Seite liefen auch einige Eltern mit. „Wenn die Einkommen so niedrig bleiben, fehlen Frauen und vor allem auch Männer, die in den Beruf einsteigen“, begründet die Niederländerin Chantal van Echtelt, deren Tochter Dirsa (4) die Kita Kleeblatt besucht. Der kleine Bleron (4) vermisst seine Spielkameraden, nun in der zweiten Streikwoche. „Er fragt immer: Mama, warum ist kein Kindergarten?“, sagt Faze Kurtaj.

Warum, das kann Elke Verfondern von der Kita Morgenstern erklären: In den letzten Jahren seien neben der klassischen Kinderbetreuung und -förderung viele bürokratische Aufgaben hinzu bekomme. Integration, Inklusion, Migration, „Berichte schreiben, Gutachten, Kooperationen mit Kinderärzten, Grundschulen, Therapeuten, Frühförderstellen“, zählt sie auf. „Außerdem besteht Personalmangel und Stellen werden nicht nachbesetzt.“ Erzieherinnen müssten als Fachkraft ernst genommen werden, sie arbeiten „mit Leidenschaft, Persönlichkeit und Herzblut“.

Als „alte 68erin“ solidarisiert sich auch Christina Lambert mit den Erzieherinnen, bei denen sie früher den Hort betreute. „Ich bin enttäuscht, dass nicht viel mehr Eltern vor dem Rathaus stehen. Kinder sind unsere Zukunft.“

Gewerkschaftssekretär Fabian Gödeke fand es bedauerlich, dass weder Bürgermeister noch Vertreter als Arbeitgeber zur Kundgebung kam. Leere Haushaltskassen seien kein Argument gegen eine Lohnerhöhung für Erzieherinnen. Land und Bund müssten Kommunen von zusätzlichen Ausgaben entlasten, von Kosten der Inklusion und öffentlichen Infrastruktur wie Schwimmbäder, mit der sich Kommunen „lebenswert erhalten“, so Gödeke. Ortwin Bickhove-Swiderski von Verdi-NRW erinnerte an die Finanzierungsvorschläge der Gewerkschaft: Einstellung eines Betriebsprüfers und ein Prozent Vermögenssteuer für Millionäre brächten 23 Milliarden Euro ein. Wenn die Arbeitgeber bis gestern Abend nach Beratungsrunde in Fulda kein Angebot abgäben, gehe der Arbeitskampf wohl nächste Woche unbefristet weiter.

Für die Stadt antwortet Sprecher Jörg Boltersdorf auf NRZ-Anfrage: „Insgesamt scheinen sich die Eltern zunächst mit der Situation abgefunden zu haben.“ die Notbetreuung laufe mit „vertrauten Beziehungspersonen.“