Erst der Turm, jetzt die Orgel

Noch sind die Pfeifen der neuen Orgel für die Gocher St. Maria Magdalena Kirche in Kevelaer aufgereiht – beim Orgelbauer Seifert.
Noch sind die Pfeifen der neuen Orgel für die Gocher St. Maria Magdalena Kirche in Kevelaer aufgereiht – beim Orgelbauer Seifert.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Ab März baut die Kevelaerer Orgelbauwerkstatt Seifert die in der eigenen Werkstatt gefertigte neue Pfeifenorgel in der Gocher St. Maria Magdalena Kirche auf

Goch..  Wie man aus gefühlt unendlich vielen Einzelteilen eine gigantische Pfeifenorgel zusammenbaut, lässt sich ab März in der Gocher Pfarrkirche St. Maria Magdalena bestaunen. Mit einem Flatterband werden die Handwerker der Kevelaerer Orgelbauwerkstatt Seifert zwar einen Arbeitsbereich absperren, aber dessen Geschäftsführer Roman Seifert sagt klipp und klar: „Wer gucken möchte, der ist uns nicht im Weg.“ Neugierige sind absolut willkommen.

Acht Meter bis zum Ton

„Viele Menschen wissen gar nicht, wie viel in einer Orgel steckt“, weiß Seifert. Fünf Orgelbauer werden vor Ort Hand anlegen. Sechs Wochen dauert die technische Montage des elf Meter hohen, 7,5 Meter breiten und vier Meter tiefen Instruments aus Holz, mit Pfeifen aus Zinn und Blei deren Inneres mit Schafsleder überzogen ist. Sieht es anfangs noch so aus, als ginge der Aufbau der seit Sommer in der 30-köpfigen Werkstatt in allen Einzelheiten erbauten Orgel rasend schnell, so folgt danach noch monatelange Arbeit.

Alles muss aufeinander abgestimmt werden, damit die 2400 Pfeifen, die über 56 Tasten bedient werden, Tonmischungen „wie aus einer Gewürzkiste“ zaubern, um es mit Seiferts Worten zu sagen. Etwa acht Meter Strecke überwindet der Tastendruck am Instrument dann mechanisch, bis der Ton erzeugt wird. Denn zwischen dem Spieltisch und den Pfeifen ist Platz, damit der Organist den nebenstehenden Chor dirgieren kann – unterm schönen Westfenster.

Das Klangmiteinander wird Stück für Stück, in der mucksmäuschenstillen Kirche, ausgearbeitet. Doch auch wenn die Pfeifenorgel gestimmt wird, also bei der Intonation, ist die Kirche stets zum stillen Gebet geöffnet. Weil die Orgelbauer dann aber, so Seifert, „jede Note einzeln hören“ müssen, wird ein Hinweisschild Besucher gesondert um Ruhe bitten.

Wenn der Zeitplan klappt, kann die Segnung am Christkönigssonntag 22. November gefeiert werden. So die Hoffnung. 13 000 Arbeitsstunden stecken dann in dem Instrumentenbauwerk. In einer Orgel, wie sie schon vor 250 Jahren gebaut wurde. Altmodisch wird das Pfeifeninstrument dadurch nicht – es soll nicht nur dem Gottesdienst, sondern auch für Konzerte (modern, oder sogar Jazz) zur Verfügung stehen.

Ein Traum für alle Akteure, für die Kirche, den eigens gegründeten Orgelbauverein und die Orgelbauer selber – und für Zuhörer. Um sich den rasch zu erfüllen, wartet man nicht darauf, die 700 000 Euro Gesamtkosten über Spenden einzusammeln. Die Kirche geht in Vorleistung, damit die elektrische Ersatzorgel (die seit Einsturz des Kirchturms am 24. Mai 1993, welcher die Pfeifenorgel der Kirche begrub genutzt wird) in Rente gehen kann. Bisher sind fast 400 000 Euro an Spenden eingesammelt worden.

Kommenden Samstag, 14. Februar 2015, lädt der Orgelbauverein noch einmal ab 11 Uhr alle Interessierten in die Orgelbauwerkstatt an der Jägerstraße 52 in Kevelaer zu einer Führung ein. Es ist der letzte Tag, an dem dort die Bauteile in der Werkstatt zu sehen sein werden