Energie-Zentrum in Hommersum

Goch-Hommersum..  Gelb blitzt es zwischen Bäumen auf: gelbe Giebel, gelbe Schilder, wehende Fahnen natürlich ebenfalls im Firmengelb gehalten und freilich auch das Eingangstor samt Willkommensgebäude – alles in gelb. So sieht zu neudeutsch „Branding“ in den Händen der von Kranenburg nach Hommersum an die Kapellenhofstraße komplett umgezogenen Tiefbaufirma Siebers aus, mitten am Ende einer Sackgasse. Alles gepaart mit dem Charme des einstigen Bundeswehrgeländes. Was farblich ausgestaltet ist, hat aber noch eine ausbaufähige Zukunft vor sich: Ende März endete das Beteiligungsverfahren für die Öffentlichkeit zum Regionalplanentwurf, um den Weg frei zum lang geplanten „Bio-Energie-Ressourcen-Zentrum Goch“ freizumachen.

Das Vorhaben ist beachtlich. Als die militärische Nutzung des Bundeswehrgerätedepot aufgegeben wurde – Mitte 2011 – veräußerte der damalige Eigentümer, die „Bundesanstalt für Immobilienaufgaben“ das Gelände an eine Investorengruppe. Bestehend aus der Firma Siebers und Landwirten. Damit die aber genau das mit dem Gelände anstellen können, was sie vorhaben, braucht es – wie man sieht – auch einige Vorlaufszeit.

Eines Tages sollen beispielsweise ein gut 1000 Quadratmeter großes Biomasseheizwerk, eine dreimal so große Kläranlage oder die zig alten Bundeswehrgebäude in neuer Nutzung (Kantine, Konferenzraum usw.) genauso an der Kapellenhofstraße bereitstehen wie auch auf gut 6000 Quadratmetern Hallen zur Tierzucht (Geflügel, Schafe, Rinder), oder eine Produktionsstätte für Saatgut-Futtermittel-Kompost. Lagern sowie produzieren will man dort die so genannten „Hackschnitzel“, also Sägeabfälle, Pflanzenöle und Granulate – aber auch Photovoltaik-Anlagen (in Zusammenarbeit mit den Gocher Stadtwerken auf den Hallendächern). Freie Flächen werden als Lager genutzt, fürs Recycling von Baustoffen und Schüttgut. Auch an Getreide und Milch fehlt es auf dem Gelände, so der Plan, nicht. Gut 8000 Quadratmeter sind für die Lagerung von Korn und Magermilchpulver einkalkuliert.

Um all dem den Weg freizumachen, gab Goch schnell seine Zustimmung und überzeugte auch den Kreis. Weil aber die derzeitig im Regionalplan festgelegten „Ziele der Raumordnung“, so wird das genannt, nicht zur geplanten Nutzung passen, folgte dennoch die noch andauernde Wartezeit. Eigentlich hätte bei der Bezirksregierung Düsseldorf bereits nach zwei Monaten eine Abstimmung erfolgen sollen, doch die Frist wurde ausgesetzt – und dauert an. Weil aber der zuständige Regionalrat überzeugt werden konnte und sich Mitglieder des Rats das Gelände bereits anschauten, geht’s irgendwie dennoch weiter. Entwurfsmäßig.

Energiegeladene Zukunft

Der jüngste Gocher Bauausschuss setzte sich das Thema auf die Tagesordnung. Denn seit April ist klar, dass im Entwurf der überarbeiteten Regionalplanes das Gebiet nicht länger als „Allgemeiner Freiraum und Agrarbereich“ sondern „für zweckgebundene Nutzungen“ dargestellt wird, so ist es in der Verwaltungsvorlage zu lesen.

Also hakt Goch schon mal zügig einen vorgeschriebenen Verwaltungsschritt ab, die Öffentlichkeitsbeteiligung werde „nunmehr“ durchgeführt – auch wenn Teile des Verfahrens zum Regionalplan eben noch laufen. Für die 65 Hektar, gelegen noch hinter der Viller Mühle, am Ende der Kapellenhofstraße, winkt eine energiegeladene Zukunft.