Eine große Bürgerbewegung

Kleve-Rindern..  Sterben ist, wie der Mensch, individuell, und braucht geschützten Raum. „Ambulante Hospizarbeit stellt einen Teil des umfassenden, ganzheitlichen Unterstützungsangebotes für Schwerkranke und ihre Angehörigen dar“, heißt es in einem Papier der Hospizgruppe Unterer Niederrhein, „die ehrenamtlichen Hospizhelfer und –helferinnen kommen dorthin, wo der zu begleitende Mensch sich aufhält, und leisten Unterstützung ohne Bewertung der familiären Situation, der Weltanschauung oder Religion.“ Wie sich das gestaltet, ist am Samstag beim 20. Regionaltag der Hospizgruppen am Niederrhein deutlich geworden.

Organisiert wird der Regionaltag von den Koordinatorinnen der Hospizdienste, der Regionalgruppe Unterer Niederrhein‘, auf und mit dem katholischen BildungszentrumWasserburg Rindern. Die Veranstaltung 2015 stand unter dem Thema ,Abenteuer Leben‘.

Barbara Blau, Fachbereichsleiterin der Wasserburg, begrüßte rund 200 Teilnehmer. Die Zusammenarbeit mit der Hospizgruppe, die seit rund zehn Jahren bestehe, sei eine glückliche Fügung. Gemeinsam habe man im Netzwerk gute Arbeit geleistet, Kompetenzen zusammen gebracht, so dass die Ehrenamtlichen ein gutes Handwerkszeug für ihre Arbeit bekommen haben. Blau forderte alle auf, dem Nachbarn die Hände zu reichen. „Spüren Sie die Kraft, die Sie geben können, unterschätzen Sie Ihre Kraft nicht“, sagte sie.

„Hospiz ist Wärme und Herzlichkeit“

Renate Hirt, Koordinatorin Ambulante Hospizarbeit Kamp-Lintfort, gab einen kurzen Rück-blick auf die Geschichte der Regionalgruppe. 1995 trafen sich einige engagierte Leute im Bürgerhaus in Rees. „Die ersten fünf Reihen waren damals besetzt“, erinnerte sich Hirt. Heute sei das Bürgerhaus für Treffen fast zu klein. „Ambulante Hospizarbeit ist einerseits ehrenamtliches Engagement jenseits der Öffentlichkeit, andererseits eine der größten Bürgerbewegungen“, führte die Koordinatorin aus. Mittlerweile sei Hospizarbeit Teil des Gesundheitssystems. Sterbende haben gesetzlich verankerte Rechte. „Hospiz ist Lebensbegleitung bis zum Schluss, mit Wärme und Herzlichkeit“, sagte Hirt.

Auf die Debatte über Sterbehilfe ging Weihbischof Wilfried Theising ein. Es stehe zur Diskussion, ob man Schmerzen und Leid nicht beenden solle. „Als Kirche sind wir mit unserer eigenen Meinung unterwegs“, sagte er, „für uns ist klar, sich für das Leben auszusprechen.“ Aber man solle diese wichtige Debatte behutsam führen, nicht vorschnell mit Antworten kommen. „Das würde man uns nicht abnehmen und fragen, ob wir Leid überhaupt kennen“, erklärte Theising, „in dieser Debatte sind Sie wichtige Menschen, die aus ihrer Arbeit mitnehmen, was Sterbende und Angehörige durchleiden. Sie sind Fühler, die mit uns überlegen, was wir diesen Menschen anbieten können.“