Eine gemeinsame Erinnerung

Kranenburg..  Jetzt ist über dieses Thema schon so viel geschrieben worden, so viel gesagt und so viel notiert und dennoch findet Historiker Wiel Lenders aus Groesbeek Facetten des Zweiten Weltkrieges, die einem in dieser Bedeutung nicht so bewusst waren. Wiel Lenders, Leiter des Befreiungsmuseums in Groesbeek, hielt am Mittwochabend einen Vortrag bei der CDU in Kranenburg zum Thema: „70 Jahre Frieden und Freiheit in unserer Heimat“.

Nationale Perspektiven

Die Betonung lag auf „unsere Heimat“. Denn Lenders plädiert dafür, dass es an der Zeit ist, die Historie des Zweiten Weltkrieges aus einer grenzüberschreitenden Perspektive zu erzählen. „Wir müssen unseren nationalen Sandkasten verlassen“, sagt Lenders. Denn gerade in der deutsch-niederländischen Grenzregion könne es sehr interessant sein, wenn man das „Gleiche und Ungleiche im Gleichzeitigen“ suche. Was passierte in Kleve, als in Nimwegen die alliierten Bomber die Stadt zerstörten? Wie haben Deutsche und Niederländer die Invasion der alliierten Truppen erlebt? „Viele Erlebnisse teilen wir“, sagt Lenders. Und daher sei es auch möglich, eine europäische Erinnerungskultur zu schaffen.

Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg werde sich in den kommenden zehn Jahren stark verändern. Denn in spätestens zehn Jahren werde es keine Augenzeugen mehr geben und auch die Generation, die den Krieg vom Hörensagen kennt, werde wegfallen. „Ich bin überzeugt, dass die neuen Generationen sich neue Fragen stellen werden und den Weltkrieg aus einer anderen Perspektive beurteilen“, so Lenders. Mit weniger Emotionen, weniger Schwarz-Weiß-Denken.

Der Kampf um die Freiheit

In seinem interessanten Vortrag ging er auf die Befreiung der Niederlande und des Niederrheins ein. Die Militäroperationen 1944 und 1945 gehörten zu den bedeutensten Auseinandersetzungen im Zweiten Weltkrieg. Und noch immer sei vielen Niederländern nicht bekannt, dass ihr Vaterland nicht aus Frankreich befreit wurde, sondern von deutschem Grund und Boden. Die Kämpfe am Niederrhein hätten entscheidend zum Ende des Nazi-Reiches beigetragen. Denn erst nach der Rheinlandoffensive könne man von einem echten militärischen Durchbruch für die alliierten Streitkräfte im Westen Europas sprechen.