Eine akzeptable Lösung

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ie Aufregung ist mal wieder groß. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) reformiert den hausärztlichen Notdienst und die Politik im Kreis Kleve beklagt eine Verschlechterung der Versorgung. Bei näherer Betrachtung löst sich aber eine Menge Wirbel in Luft auf. Denn wirklich schlecht ist die angedachte Lösung der KV nicht zu nennen. Der Kreis Kleve erhält immerhin zwei Notdienstpraxen – für gut 310 000 Einwohner. Großstädte wie Düsseldorf (592 000) oder Essen (573 000) müssen mit einer Anlaufstelle auskommen. Von einer Benachteiligung des Kreises Kleve kann man also nicht sprechen.

Auch heute müssen Patienten aus Uedem oder Kranenburg mit dem Auto schon mal zum Notdienst nach Goch oder Kleve fahren. Für sie ändert sich wenig. Und auch der Notdienst für HNO oder Augenheilkunde liegt heute nicht vor der Haustür – sondern in Krefeld. Das alles ist bereits gängige Praxis und keine neue Verschlechterung. Die gibt es allerdings bei den Kinderärzten. Kindernotfälle werden künftig in Wesel verarztet.

Die neue Regelung der Kassenärztlichen Vereinigung trägt der Altersstruktur der Hausärzteschaft Rechnung. Viele Hausärzte werden bald aufgeben und spätestens in fünf Jahren droht dem jetzigen System der Versorgungskollaps. Insofern ist die Entscheidung zur Schaffung von zwei Notdienstpraxen vernünftig. Weniger Hausärzte können eine akzeptable Versorgung anbieten. Wenn dazu noch zwei oder drei Dependancen an Krankenhäusern angeboten werden können, darf man sich im Kreis Kleve wirklich nicht beklagen.