Ein Stückchen Floriade aus Weeze
30.01.2012 | 19:10 Uhr 2012-01-30T19:10:00+0100
Kreis Kleve / Venlo. Die Paul Grote Holzbau GmbH baut den Pavillon, mit dem sich Nordrhein-Westfalen auf der Welt-Garten-Expo präsentierten will.
Sich in den Niederlanden wie in Österreich zu fühlen, erfordert wesentlich mehr Vorstellungskraft als anders herum. Wenn Mitte Februar in den Niederlanden Krokusferien sind, quellen die Skipisten auf den Bergen der Alpenrepublik über mit hiesigen Flachlandtirolern. Nun aber ist der Winter auch am Niederrhein und jenseits der Grenze eingezogen. Auch auf dem Gelände der Floriade in Venlo liegt ein weißer Film. Bei weitem aber nicht genug Schnee, um Ski zu fahren; und so bleiben die Gondeln in der Talstation. Die Gondeln sind eine Leihgabe der Skiregion Silvretta Montafon und werden Besucher der Welt-Garten-Expo vom 5. April bis 7. Oktober quer über das Areal befördern. Bis zur Eröffnung gibt’s aber noch viel zu tun. Auch für einige Unternehmen aus dem Kreis Kleve.
Auf 66 Hektar präsentieren sich von April bis Oktober insgesamt 150 Länder und Regionen, Organisationen und Gartenbaufirmen. Nordrhein-Westfalen hat eine eigene Ausstellungsfläche (mit 2600 Quadratmetern eine der größten) und einen eigenen Pavillon. Und den baut Paul Grote – oder besser gesagt: die Mitarbeiter seiner in Weeze ansässigen Holzbau GmbH.
Grote setzte sich in der Ausschreibung durch und erhielt den Zuschlag für das 700 000-Euro-Projekt. „Für einen kleinen Handwerkerbetrieb ist das ein nicht unerhebliches Volumen.“
Zuschlag für ein 700 000-Euro-Projekt
Die Besucher der Floriade werden quasi gar nicht umhin kommen, sich das Werk anzusehen, da es unweit des Eingangs im Sektor „Lebensqualität“ befindet, einem von fünf Themengebieten (die anderen heißen „Wohlbefinden“, „Blick in die Zukunft“, „Nachhaltigkeit“ und „Kulturelle Begegnung“).
Seit November bauen täglich zehn Weezer Mitarbeiter am Pavillon und den Außenattraktionen. Für diesen Auftrag hat Paul Grote extra vier Kräfte – Tischler, Schreiner und Zimmerleute – eingestellt. Was am Ende zu sehen sein wird, darf noch nicht verraten werden. Aber der Weezer verrät mit einem Augenzwinkern: „Nordrhein-Westfalen ist mit dem Sauerland und der Eifel ja das Gebirge für die Niederlande.“
Am 4. April ist die offizielle Eröffnung mit geladenen Gästen. „Wir sind jetzt kurz vor dem Bergfest“, ist Grote auch angesichts der Kälte zuversichtlich, „es müsste jetzt schon ein extremer Winter kommen, der uns noch aus der Bahn wirft.“
Doch daran denkt niemand. 100 Kubikmeter Holz, das aus Kevelaer stammt, werden am NRW-Pavillon verarbeitet. „Für den Dachstuhl eines normalen Wohnhauses benötigt man fünf bis zehn Kubikmeter“, erklärt Grote, der in seinem Betrieb sieben Azubis ausbildet. Getragen wird das Dach von einem Gerippe aus 25 Tonnen Stahl, hergestellt übrigens in Uedem.
Dass so mehrere Unternehmen aus dem Kreis Kleve an der Garten-Expo mitwirken, erfreut auch den Weezer Bürgermeister: „Die Floriade ist auch auf der anderen Seite der Grenze eine große Chance“, sagt Ulrich Franken und denkt auch in Zukunft an verstärkte Zusammenarbeit im Grenzgebiet, „denn hier kommt auch etwas zurück.“ Konkret schon in diesem Jahr: Bei erwarteten zwei Millionen Besuchern ist es Kristina Peeters, verantwortlich für die deutsche Öffentlichkeitsarbeit, „klar, dass die Niederlande das gar nicht alleine stemmen kann.“
Eine Chance für Hotels und Gastronomie
Während also vor allem Hotels und Gastronomie von diesem grünen Spektakel profitieren können, hofft auch Paul Grote auf Nachfolgeaufträge. So überlegt er, seinen Hut in den Ring werfen, wenn für den Krefelder Golfclub ein vom berühmten Architekten Ludwig Mies van der Rohe in den 30er-Jahren entworfenes Klubhaus gebaut werden soll. Nachhaltigkeit hat schon einmal gut geklappt: Am Köln-Bonner Flughafen erneuert Grotes Firma gerade die Bedachung. „Da war uns die Erfahrung am Weezer Flughafen behilflich.“
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