Ein Schiff auf Rädern

Durch die Polizei begleitet, rollte die „Exodus“ über die Rheinbrücke dem Yachthafen Emmerich zu, um von dort aus auf die Rückseite der Klever Schleuse zu schippern.
Durch die Polizei begleitet, rollte die „Exodus“ über die Rheinbrücke dem Yachthafen Emmerich zu, um von dort aus auf die Rückseite der Klever Schleuse zu schippern.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Gestern wurde das Segelschiff „Exodus“ per Tieflader übern Rhein gebracht, um von der anderen Seite der Schleuse aus die Kinder zum Osterferien-Törn der evangelischen Jugend abzuholen

Kleve..  Rund zehn Helfer sind gestern Morgen ab 8 Uhr im Klever Hafen aktiv, um zu ihren Hunderten Ehrenamtsstunden noch ein paar dazu zu legen. Zwei Schiffe gilt es an den Haken zu hängen, vom Trailer auf einen Tieflader zu „verkranen“ und dann auf dem Landweg über die Brücke nach Emmerich zu bringen. Dort wurden sie zu Wasser gelassen. Die „Exodus“ schipperte von der anderen Seite an die geschlossene Klever Schleuse heran, wo am Abend zehn Kinder an Bord gingen: Jugendfreizeit der evangelischen Jugend Kleve zum Ijsselmeer.

Wie berichtet, gab es nur vor drei Wochen einen letzten Schleusungstermin am Spoykanal für alle Hafennutzer, bevor die Schleuse Brienen mindestens für dieses Jahr geschlossen wurde: Sie sei nicht mehr verkehrssicher. Die Tore und Technik der Nachkriegszeit könnten unter hohem Wasserdruck versagen, erklärt Erich Wicher vom Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg-Rhein der NRZ auf Anfrage. Aber selbst wenn man kulant einen zweiten Termin für gestern frei gegeben hätte, „wäre gar nicht daran zu denken, jetzt zu schleusen“, denn innerhalb von drei Wochen ist der Wasserstand um zwei Meter auf zwei Meter gesunken. So beklagte sich auch der Vorsitzende der Seglergemeinschaft, Bernhard Witt, gestern nicht. „Die Stadt setzt sich für uns ein“, weiß er. Nächste Woche ist erneut ein Gespräch mit Umweltministerin Dr. Barbara Hendricks, ob und wie das Bauwerk saniert werden kann. Oder ob die Schleuse – mitten im Deich stehend – abgebaut werden müsste, um den Deich zu schließen, beschreibt Wicher die Konsequenzen.

Die evangelische Jugend Kleve, die ihre „Exodus“ über Winter in den Werkstätten im Hafen auf Vordermann brachte, musste also das Schiff vom Trailer auf einen Tieflader und an einen Trecker bringen. Pfarrer Georg Freuling dankte vor Ort den Sponsoren sehr, die das übernahmen: Tieflader von Siebers, Zugmaschine von van Zaddelhoff. Den riesigen grünen Kran steuerte Peter Donath millimetergenau. Freuling: „Die Jugendlichen haben sich auf die Segeltörns gefreut, zwei in den Osterferien, dann Sommerferien und Herbstferien. Sie machen eine tolle Erfahrung in der Gemeinschaft, in der Natur. Das ist etwas Wertvolles“.

Dafür setzten sich auch Dieter Rapp, Jugendwart der Seglergemeinschaft, aktiv in der ev. Kirche, sowie Skipper Hans-Ulrich van Quistorp ein. Er fuhr 1981 als Kind zum ersten Mal auf der „Exodus“, heute tun es seine Kinder. Die „Exodus“ wurde 1978 als chinesisches Rettungsboot aus Amsterdam gekauft und Jahr um Jahr mit Rick und Masten zum Segelschiff Kategorie III aufgerüstet. Heute erkundet sie die Meere um England, Frankreich, Schweden, Dänemark, Polen – und den Niederlanden, kennt Hunderte Kanäle und Hunderte Schleusen.

Gestern wurde im Sonnenschein erst die stählerne „Ninive“ des befreundeten CVJM Moers umgeladen – jeder hilft jedem – dann im Regen die hölzerne „Exodus“. Co-Skipper Leo Naß baute noch eben den Stecker des Hängers um. Die hintere Achse des Aufliegers klemmte erst, löste sich dann. Die begleitende Polizei legte Wert darauf, die Gurte noch mal neu zu spannen. Dann wurden die Schiffe mit Holzplanken „aufgefüttert“, bevor es auf die Straße ging.