Ein neues Zuhause mitten in der Gemeinde

Wohnpark Lebenshilfe Materborn, Richtfest
Wohnpark Lebenshilfe Materborn, Richtfest
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Was wir bereits wissen
Lebenshilfe-Wohnpark Materborn feierte Richtfest. Appartements und Wohngruppen für Menschen mit und ohne geistiger Behinderung. Pfarrer: „Ich freue mich auf Sie, liebe Nachbarn.“

Kleve..  Eine zukünftige Bewohnerin des Wohnparks Materborn hat gestern dem Bürgermeister Theo Brauer auf jeden Fall den Tag gerettet. Erst strich sie sich die Frisur zurecht, dann strahlte sie: „Komma, Süßer“ und drückte ihn. Grund zur Freude hatten die Gäste gestern allemal: Es war Richtfest.

Die Kritiker dieses Großprojekts seien verstummt, war sich Bürgermeister Brauer sicher. Das L-förmige Gebäude werde in seiner Bestimmung „ein wichtiger Mittelpunkt im Füreinander und Miteinander. Das ist gelebte, vorbildliche Inklusion. Ich hoffe, Gast zu sein auch als einfacher Nachbar“, der er nach Beendigung seines Bürgermeisteramtes dann werde.

Geschäftsführer Hermann Emmers der „Lebenshilfe gGmbH – Leben und Wohnen in Kleve“ geht davon aus, dass Ende des Jahres der Bau fertig ist, man 2016 einzieht: In 24 barrierefreie Wohnheimplätze in vier Wohngruppen für Menschen mit geistiger Behinderung und 15 Tagespflegeplätze im linken Trakt. Die Verwaltung zieht in die eingeschossige Mitte. Im rechten Baukomplex (Foto) entstehen 33 Wohnungen, es sind elf Einzelappartements und 22 Wohnungen zwischen 36 und 100 Quadratmetern. Für Menschen mit unterschiedlichen Pflegegraden, alt und jung nebeneinander. In der Mitte des 5800 Quadratmeter großen Grundstücks entstehe ein Platz der Begegnung. Kleiner Sinnesgarten und Tiefgarage mit 39 Stellplätzen komplettieren das Projekt fürs Mehrgenerationenwohnen.

Beim Richtfest freuten sich Projektleiterin Ellen Mietz (Kevelaer) und die Bruno-Braun- Architekten aus Düsseldorf mit zahlreichen Vertretern aus der Lebenshilfe-Belegschaft, den Handwerksbetrieben, der Politik über den Baufortschritt seit vorigem Juli.

Der Wohnpark sei ein Quartierstreffpunkt, der Raum für kulturelle Aktivitäten bietet und allen Menschen des Ortsteils offen steht, so Hermann Emmers. Ziel ist der „Aufbau eines sozialen Netzwerkes und die Förderung eines Gemeinwesens, in dem Menschen aller Altersstufen und mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf ein Zuhause inmitten einer umgebenden Gemeinde finden“, steht im Konzept.

Die nachbarschaftliche Nähe des Bürgermeisters zum Wohnpark konnte die evangelische Pfarrerin Elisabeth Schell toppen. Sie regte an, auch die Stärken der Behinderten wahrzunehmen: „Vordergründig scheint manches stark zu sein, was es nicht ist, und manches schwach, was nicht schwach ist“.

Am nahesten dran sitzt der katholische Pfarrer Christoph Grosch. Dass sein „kleines Häuschen fast unterginge“ bei dem Gebäudekomplex, sieht er nicht so: „Nein, ich werde Nachbarn finden, einen Platz, wo man sich begegnen kann. Ich freue mich auf Sie, liebe Nachbarn.“ Launig erinnerte er an die Bibelstelle aus dem Lukas-Evangelium von der Heilung des Gelähmten, für den vom Haus ein Dach abgedeckt wurde, damit er zu Jesus herein konnte.

Vom fertigen Dach des Lebenshilfebaus herab verlas Polier Arthur Altmann den Richtfestspruch, stieß mit der Schnapsflasche in der Hand des Kollegen Rrusten Gashi an und warf sein Glas herab: Glück „dem Wohnpark, der hier gedeiht“.

Mietinteressierte können sich bei Projektleiterin Ellen Mietz, 02821/ 758022, melden.