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Ein neues Leben

26.04.2008 | 00:05 Uhr

189 Kilogramm trug Claudia van der Velden mit sich herum. Dank starker Willenskraft speckte sie ab. Vorbildlich.

Claudia van der Velden kann sich noch gut an die Fahrt erinnern. „Wenn mir jetzt ein Reh vors Auto laufen würde, dann wäre es vorbei und gut so”, wiederholt die Kranenburgerin die Gedanken, die ihr damals in ihrer Verzweiflung durch den Kopf schossen. Mit ihren 189 Kilo bei einer Körpergröße von 1,64 Meter war sie todunglücklich. „Es gab keine Kleidung in meiner Größe und ich wollte nicht mehr weggehen, weil ich das Gefühl hatte, dass mich alle anschauten. Mein Selbstbewusstsein war verschwunden.” Das ist jetzt drei Jahre her. Heute sitzt die 44-jährige Mutter zweier Kinder an ihrem Küchentisch, erzählt gestenreich von ihren Läufen auf Rollerblades und sprüht vor Lebensfreude. In nur drei Jahren hat sie mit imposanter Willenskraft 113 Kilo abgenommen. „Diese Autofahrt war der Knackpunkt”, blickt Claudia van der Velden zurück, „ich kann doch nicht zwei Kinder in die Welt setzen und dann meine Lebenserwartung durch mein Gewicht um zig Jahre verringern.” Also hieß es von dem Zeitpunkt an: nie mehr Speckläpchen. „Die haben 24 Punkte und pro Tag habe ich nach meinem Ernährungsplan nur 21 Punkte zur Verfügung.” In vielen Bereichen musste sie sich einschränken. „Mein Mann hat immer hinter mir gestanden – das war enorm wichtig”, erzählt Claudia van der Velden.Kampf seit der KindheitDie Veranlagung zum Übergewicht liegt in der Familie. „Von meinen sechs Geschwistern sind alle bis auf den Zweitjüngsten sehr kräftig gebaut.” So hatte sie seit ihrer Kindheit mit den Pfunden zu kämpfen. „Das ging rauf und runter. Mit Radikalkuren hatte ich schon mal 70 Kilo abgenommen, aber sobald man sich wieder normal ernährt, setzt der JoJo-Effekt ein und alles ist umsonst.” Auch vom Arzt empfohlene Tabletten haben nicht geholfen.  Als Hauptgrund für die vielen Pfunde nennt die Kranenburgerin eine falsche Ernährung: eine Packung Plätzchen zwischendurch, das leckere holländische Eis und mal eben zu McDonalds. Doch dazwischen fühlte sie sich immer unwohler in ihrer Haut. „Ich schaffte es ja noch nicht einmal mehr, den dreiviertel Kilometer nach Kranenburg zu laufen.” In der steilen Klever Innenstadt blieb sie an jedem Schaufenster stehen und tat so, als ob sie sich für die Waren interessierte – dabei war sie einfach nur platt. Ein Magenband konnte sie sich auch nicht einsetzen lassen – dafür mussten erst mindestens 30 Kilo runter, weil die Narkose sonst zu gefährlich gewesen wäre. Mit zwei Schwägerinnen ging die Hausfrau zu der Klever Weight Watchers-Gruppe von Anja Sperling. „Dort habe ich kontinuierlich abgenommen.” Mit einem speziellen Punktesystem bei den Lebensmitteln stellte Claudia van der Velden ihre Ernährung bewusst um. Jeden Abend schreibt sie auf, was sie an dem Tag gegessen hat – „das gehört jetzt zu meinen Leben genauso dazu wie etwa das Zähneputzen.” Morgens gibt es meist ein Brötchen mit Schwarzbrot, Käse oder Marmelade, mittags Gemüse, dazwischen zwei Obsteinheiten und abends ein warmes Essen – etwa Fisch, Salat und Kartoffeln. Für ihren Ehemann kocht sie dazu deftigere Speisen. „Die vermisse ich überhaupt nicht. Ich will einfach nie wieder so dick werden”, sagt sie voller Überzeugung. Und einmal in der Woche darf sie sogar Pommes Frites essen. Zu ihrem großen Ziel von 67 Kilo muss sie allerdings noch 21 Pfund abnehmen. „Dann habe ich den Body-Mass-Index erreicht, so dass ich bei Weight Watchers Goldmitglied werde und keinen Mitgliedsbeitrag mehr zahlen muss”, so Claudia van der Velden. Schließlich sind allein schon die speziellen Lebensmittel für das Ernährungsprogramm nicht gerade preiswert. Um sich anzuspornen, kauft die Mutter stets eine Hose, die eine Nummer zu klein ist – aktuell hat sie Kleidergröße 42. Unter 65 Kilo möchte sie aber nicht gehen. „Durch das Abnehmen habe ich mich ganz schön verändert – auch wenn bei mir zum Glück die Haut im Gesicht und an den Armen nicht hängt.” Nur für ihren elfjährigen Sohn ist sie dieselbe geblieben. Als der ein aktuelles Foto mit einem alten verglich, meinte er: „Die sind gleich schön. Schließlich bist du auf beiden meine Mama.”

Ingmar Kreienbrink

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