Ein Leben für und mit der Kunst

Aus ihrer Wohnung hat Sammlerin Hiltrud Neumann einen gut gefüllten Kunst-Ort gemacht, den Steffen Fischer vom Museum Goch hier bewundert.
Aus ihrer Wohnung hat Sammlerin Hiltrud Neumann einen gut gefüllten Kunst-Ort gemacht, den Steffen Fischer vom Museum Goch hier bewundert.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Die Mönchengladbacher Sammlerin Hiltrud Neumann schenkt dem Museum Goch ihre Werke. Vertrag wurde jetzt unterzeichnet

Goch/Mönchengladbach..  Vielleicht sollten unbedarfte Besucher von Hiltrud Neumann die auf die Wohnungstür gesprühte Banane als Warnung verstehen. Noch dazu, weil rechts daneben ein lebensgroßer Wollmann an der Wand lehnt. Denn wer dann tatsächlich ihre Wohnung im sechsten Stock eines Mehrfamilienhauses betritt, sieht Kunst, Kunst, Kunst. Ganz gleich, wohin man blickt, Kunst. Man steht auf ihr, geht um sie herum oder steigt über sie hinweg. Sie hängt an der Wand, lehnt im Türrahmen. Auf allen Tischen, auf dem Boden, in Regalen, auf dem Balkon, in Schränken, im Bad, in der Küche und natürlich im Keller – die Wohnung von Hiltrud Neumann platzt nur so vor lauter Kunst, ist ein Schatzkistchen der Kunst des Rheinlandes der vergangenen 40 Jahre. Und mittendrin: Frau Neumann, die den Gast mit einem herzlichen Lachen in diese Wunderkammer hinein bittet.

Sammlung mit 4000 Einzelteilen

Es sind Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, mit denen die 77-Jährige buchstäblich zusammenlebt. „Die Kunst ist mein Lebenselixier“, gibt sie freimütig zu. „Kunst hat mich mein Leben lang bereichert.“ Ihre umfangreiche Sammlung wird dies in Zukunft in Goch tun. Wie berichtet schenkt Hiltrud Neumann ihre mehr als 4000 Stücke umfassende Sammlung der Gocher Kunststiftung und damit letztlich dem Museum und seinen Besuchern. In der vergangenen Woche war die alte Dame zu Gast in der Weberstadt, um ihre Schenkung auch vertraglich abzusichern.

Hiltrud Neumann, die 1937 in Pommern geboren wurde und in Mönchengladbach lebt, fand über die Kunst und die Künstler, denen sie dort begegnete im Rheinland ein Zuhause. Die ehemalige Lehrerin für Deutsch, Kunst und Religion war vier Jahrzehnte lang Gast in ihren Ateliers, unterstützte sie in ihrer Arbeit, schloss Freundschaften. 20 Jahre lang lud sie einmal im Monat zu sich nach Hause, zum Künstlertreff ins „offene Wohnzimmer“ ein. Angesichts des steten Zuwachses an Kunstwerken eine zunehmend große Herausforderung. „Kunst“, sagt Hiltrud Neumann, „habe ich gekauft, wenn sie mich interessiert, mich angesprochen hat.“ Und nicht jeder ihrer Atelierbesuche sei für den Künstler gleich erfolgreich gewesen.

Was die Sammlerin gekauft hat, hängt für sie völlig gleichwertig nebeneinander in ihrer Wohnung (die im übrigen ebenfalls der Stiftung zufällt). Hiltrud Neumann spricht über große Namen wie Günther Uecker oder Otto Piene genauso wie über die vielen eher Unbekannten. „Ich liebe Kunst, ihr Wert interessierte mich nicht“, betont sie. Auch ein Lieblingsbild oder einen Lieblingskünstler hat sie nicht.

Ohne Trennungsschmerz

Dass ihre Sammlung nach Goch geht, ist für Hiltrud Neumann eine gute Entscheidung. „Hier sind meine Sachen in guten Händen“, sagt sie, „darüber bin ich sehr glücklich.“ Sie habe vollstes Vertrauen in die Arbeit des Gocher Museums. Zumal sich wohl auch kein Trennungsschmerz einstellen dürfte. Vereinbart ist nämlich, dass zu Lebzeiten Neumanns in Mönchengladbach bleibt, was dort jetzt hängt, hinter der Tür mit der von Thomas Baumgärtel aufgesprühten Banane.