Ein Kraftwerk im Museum

Bei der Ausstellung ‘“Schule Kunst Museum“steht ein blaues Legomännchen mit dem Rücken zum Betrachter und betrachtet selber eine Computerplatine.
Bei der Ausstellung ‘“Schule Kunst Museum“steht ein blaues Legomännchen mit dem Rücken zum Betrachter und betrachtet selber eine Computerplatine.
Foto: Andreas Daams
Was wir bereits wissen
Schülerinnen und Schüler von sieben Klever Schulen stellten im Museum Kurhaus aus. Hunderte Besucher kamen

Kleve..  Sie haben das Legomännchen in blaue Farbe getunkt. Jetzt steht es mit dem Rücken zum Betrachter, vor ihm erhebt sich bedrohlich eine Computerplatine. Was wird geschehen? Eine Situation wie aus einem gruseligen Science-Fiction-Streifen. Martin (15) und Kai (14) von der Karl-Kisters-Realschule haben das Objekt „Kraftwerk“ geschaffen. Sie haben dazu im heimischen Elektroschrott gewühlt und sind fündig geworden. „Kraftwerk“ ist eines der zahlreichen Stücke, die man am Wochenende im Museum Kurhaus bewundern konnte.

„Schule Kunst Museum“ ist ein inzwischen längst bewährter Dreiklang. Schüler machen Kunst, inspiriert von Ausstellungen im Museum Kurhaus. Jedes Jahr aufs Neue. Und doch muss man immer wieder staunen. Über die Kreativität der Schüler. Über die so ganz individuellen Ausgestaltungen bei zum Teil gleicher Aufgabenstellung. Und über die Tatsache, dass die Räumlichkeiten so unglaublich viel hermachen. Eine Reihe düsterer Portraits, nebeneinander gehängt an der Wand der Säulengalerie – das wirkt sofort ganz professionell. Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums haben sich hier dargestellt. Würde jemand sagen, dies seien Werke von berühmten Malern, man könnte es glauben.

Gegenüber sieht man berühmte Gemälde wie Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“, einmal im Original, daneben nachgestellt. Bildgewordene Gedanken rund ums Bilderbetrachten hat sich eine Klasse des Konrad-Adenauer-Gymnasiums gemacht. Ein Junge mit wirrem Haar steht vor einem Bild mit wirren Linien. Überhaupt ist vieles, was man zu sehen bekommt, hintersinnig und witzig. Zum Beispiel die Installation „Am Rad drehen“, bei der sich ein Rad mit viel Krach in Bewegung setzt. Ob hier wohl an ausflippende Lehrer gedacht hat? Geht man weiter, sieht man allerdings die Menschheit, wieder in Gestalt von Legomännchen, am seidenen Faden baumeln. Zum Nachdenken über das Sehen kommt das Nachdenken über das Sein, aber ohne die Freude am Gestalten wäre das alles nichts.

Mit den Jahreszeiten in Kunst und Kultur haben sich Schüler der Gesamtschule auseinandergesetzt. „Wir haben überlegt, was man mit einem Gedicht machen kann“, sagt Vicente Sokolowski (13). Sie haben Gedichte gesucht, in andere Sprachen übersetzt, Bilder dazu gemalt, Musik geschrieben. Kunst ist hier nicht Selbstzweck: „Persönlichkeitsentwicklung und Berufsorientierung“ heißt das Modul an der Gesamtschule, das vier Fächer über zwei Jahre fokussieren. Einen Schritt aus dem Unterricht heraus haben auch die Ganztagsrealschüler an der Hoffmannallee gemacht. Mit ihrer tragbaren „Berliner Mauer“ aus 120 Umzugskartons haben sie schon Veranstaltungen in Groesbeek und Nimwegen bestritten.

Erfreulich ist, was man von den Jugendlichen zu hören kriegt, fragt man sie nach ihren Werken. „Hat Spaß gemacht“, heißt es immer wieder. Da kann man sich nur anschließen: Hat Spaß gemacht, die Sachen anzuschauen.