„Ein eitler Pfau und Selbstdarsteller“

Soweit der Erdkreis reicht. Zum Artikel von Helga Ullrich–Scheyda vom Samstag den 9. Mai 2015

„Ja es ist richtig, dass Johann Moritz 32 Jahre in Cleve tätig war. Alles ist wunderbar und was Helga Ullrich- Scheyda schreibt ist richtig. Wir haben hier im Kreis Kleve viele wunderbare Dinge, die auf Moritz zurückzuführen sind. Aber man soll nicht unbedingt zum Ende seines Lebens beginnen, sondern nach dem Sieg von Schenkenschanz.

Prinz Johan Moritz trat 1636 seinen Dienst in Brasilien für die westindische Kompanie an. Um ein genaues Bild von Johann Moritz zu erhalten müsste man in die Archive in Amsterdam, Arnheim, ja sogar in New York eintauchen, denn dort liegen die Unterlagen der westindischen Kompanie. Das hat der Professor Simon Schama von der Harvard Universität schon vor Jahren erklärt, ebenfalls Russell Shorto.

Die niederländische Provinz in Brasilien hat vermeintlich wirtschaftlichen Ertrag gebracht, aber das ist leider nicht der Fall. Denn es ist längst erwiesen dass ein Colonel (Oberst Christoff Artischowskij) ein gebürtiger Pole, ein reges Berichtswesen zur westindischen Kompanie in Amsterdam unterhielt. Moritz stand unter Beobachtung.

Der Vorstand der westindischen Kompanie, bestehend aus 19 Leuten, wollte natürlich informiert werden. Es gab viele Gründe den Prinzen Johan Moritz aus Brasilien abzuberufen. Die westindische Kompanie war gezwungen jährlich mehr als eine Million Gulden zur Sicherung des Stützpunktes auszugeben, während der Gewinn aus den mit Sklaven betriebenen Plantagen nur 400 000 Gulden ausmachte. Mitten in dieser Periode ist unser Moritz zu suchen. Wann endlich kommt der kritische Versuch, der sich mit all diesen Dingen auseinander setzt? Wann kommt jemand, der die Archive aufsucht, und den Grafen als einen eitlen Pfau und Selbstdarsteller entlarvt?

Moritz wird auch als der große Feldherr vom Schenkenschanz dargestellt, aber ohne tief schürfenden Hintergrund kann man sich mit Moritz nicht befassen. Wenn man dies tun würde, würde man auch erkennen, dass Prinz Moritz sich bei Heerzügen gerne in hinterer Reihe aufgehalten hat. Was ein Unsinn, von einem großen Sieger von Schenkenschanz zu sprechen, ohne mit Fakten aufzuwarten. Nachdem Moritz in Brasilien gefeuert worden war; von der westindischen Kompanie, geisterte er 4 bis 5 Jahre durch die Gegend, praktisch als „Arbeitssuchender“. Dann kam er in die entlegene Provinz nach Kleve. Und er hat auch nicht für die Stadt Kleve gearbeitet oder Dinge geschaffen, denn Kleve war eine armselige, von Mauern umgebene kleine Stadt mit keiner Außenwirkung. Da Prinz Moritz jedoch ein eitler Pfau war, hatte er für sich die gesamten Anlagen geschaffen, nicht für Preußen oder für irgend jemand anders. Und wer zahlte die Tagelöhner? Wer die Leibeigenen, die da geschuftet haben? Auch hier müsste recherchiert werden. Interessant ist ja auch, dass das „Prinz Moritz-Grab“ in Bedburg Hau liegt und nicht in Kleve. Er residierte ja auch außerhalb Kleves, das hat auch Frau Scheyda wunderbar beschrieben.