Ein Ehrenamt kommt nicht allein

René Gravendyk ist unter Motorhauben zu Hause – hier mit seinem blauen Oldtimer Cabrio Floride (kleines Foto) und dem  Hybridwagen mit Stromanschluss.
René Gravendyk ist unter Motorhauben zu Hause – hier mit seinem blauen Oldtimer Cabrio Floride (kleines Foto) und dem Hybridwagen mit Stromanschluss.
Foto: Astrid Hoyer-Holderberg
Was wir bereits wissen
René Gravendyk übernimmt viele Positionen im Kfz-Handwerk. „Es kommt nicht darauf an, wo du her kommst, sondern, wo du hin willst“. Talente erkennen. „Eins werden mit dem Blech“

Goch..  „Wer ein Ehrenamt hat, der hat auch mehrere“, sagt René Gravendyk. Er hat gleich mehr als eine Hand voll davon. Wenn er als Vorsitzender des Berufsbildungsausschuss beim Leistungswettbewerb der Kfz-Mechatroniker den Landesverband vertritt, kann er das in Berlin gleich mit der Ehrung der Sieger beim Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes verbinden. „Profis leisten was“ heißt der Wettbewerb. Es treffen sich die Besten und einer wird als deutscher Vertreter 2016 nach Schweden geschickt (dies Jahr Frankreich – und alle paar Jahre gibt es obendrein die „World-Skills“, die WM der Berufe).

Aber Gravendyk geht es nicht nur um die Besten. „Ich finde es schade, wenn man von vermeintlich schlechten oder schwachen Schülern spricht. Viele von ihnen sind praxisorientiert und haben für einen technischen Ausbildungsberuf das richtige Verständnis. Es kommt nicht darauf an, wo du her kommst, sondern, wo du hin willst“, macht er Mut.

Gravendyk erlebt beispielsweise in der Sparte Karosserietechnik immer wieder junge Menschen, „die eins werden mit dem Blech und mit ihren Händen tolle Dinge schaffen“.

„Ein Auto ist ein anspruchsvolles Produkt“, sagt der Geschäftsführer von Auto van Aal in Goch, der den elterlichen Betrieb übernahm. Obwohl man auch dort natürlich die Cleveren haben möchte, „die einen Schritt weiter voraus denken, den Reparatur-Prozess durchdenken.“

So bietet aber doch das Kfz-Handwerk die richtigen Berufe sowohl für Sek-I-Schüler der Haupt-, Real- und Gesamtschule sowie Abiturienten der Sek-II-Stufe Gymnasium/Gesamtschule, vom Mechatroniker bis zum Büro-Kollegen.

Gravendyk schwört auf die Hauptschule Goch: „Was dort wirklich toll läuft, ist die Begleitung, schon im Vorfeld und im Praktikum. Die Lehrer setzen sich ein, schneiden Berufsorientierung genau auf die Schüler und Schülerinnen zu“, lobt der Vater von vier Kindern (8 bis 16 Jahre). „Man muss junge Leute nach ihren Fähigkeiten am geschicktesten so einsetzen, dass sie möglichst lange Zeit Lust am erlernten Job haben“, urteilt Gravendyk als Lehrlingswart der Innung.

In der Funktion sieht er sich als „Mittler zwischen Auszubildendem und Betrieb“. René Gravendyk ist außerdem Landesvorsitzender für Berufsausbildung und Vorsitzender im Berufsbildungsausschuss beim Zentralverband des Deutschen Kfz-Handwerkes (zusammen mit Anselm Lotz, Berlin). Der Ausschuss steuert die Inhalte von Ausbildung. Ministerium, Produktion, Servicebetreiber, Industrie, alle sind darin vertreten. Bei der Neuordnung der Ausbildung für Kfz-Mechatroniker 2012/13 hat der Gocher den Bezug zur Basis mit eingebracht.

Er nennt die neuen Berufe, die oft auf zwei Jahren Grundausbildung aufbauen: Seit August 2013 gibt es den „System- und Hochvolttechniker“. Die kennen sich mit Elektrik und Hybrid-Autos aus. „

Offen für technisch Neues

Systemtechnik nennen wir es neutral, weil wir nicht wissen, mit welcher Technik wir es in Zukunft zu tun haben werden – beispielsweise Brennstoffzellen. Wir wollen für alle Neuerungen in der Ausbildung offen bleiben“, erklärt Gravendyk. Als nächstes schreibt er in der Position als Arbeitgebervertreter mit daran, die Ausbildung zum „Kfz-Servicetechniker“ neu zu ordnen „und danach für Kfz-Meister“.

Für René Gravendyk ist lebenslanges Lernen eine Selbstverständlichkeit. Er lernte nach Mittlerer Reife 1983 Bürokaufmann, ‘85 Kfz-Mechaniker, besuchte ‘89 die Meisterschule, hängte den Automobilverkäufer an, qualifizierte sich zum Diagnosetechniker, ist seit einem Jahr außerdem geprüfter Automobil-Serviceberater. „Der Lernprozess darf nie aufhören“, findet der 47-Jährige.

Er unterrichtet am Berufskolleg auch die Meisterschüler für die Handwerkskammer Düsseldorf. „Ich bin jetzt Dozent, wo ich selbst die Meisterausbildung gemacht habe“, freut er sich. Parallel zu seinen Aufgaben als Lehrlingswart bespricht er seit zehn Jahren im Renault Händlerverband obendrein mit dem Importeur Technisches, Marketing und Seminarkoordination. „Da schließt sich der Kreis“. René Gravendyk findet es ausgesprochen sinnvoll, wenn das Handwerk über den eigenen betrieblichen Bedarf hinaus ausbildet. Die Lehrlinge könnten sich ja weiter qualifizieren und spezialisieren.

Über Bedarf ausbilden

Bleibt dem Firmenchef und Ehrenamtler Zeit fürs Privatleben? Ja, und es hat neben der Familie dann natürlich wieder mit Autos zu tun: Er fährt gern mit seinem Oldtimer, einem Cabrio Floride von 1963, bei schönem Wetter mit Gleichgesinnten ein paar Tage raus. Aber er will auf die Ehrenämter gar nicht verzichten. So umfangreich sie auch auszufüllen sind, „sie machen einfach wahnsinnig viel Spaß“.