Ein bedeutender Unbekannter

Kleve..  Nur der Name einer kurzen Straße erinnert an einen Klever Kopf, der mehr als Nebenprodukt herrschaftlichen Handelns denn als eigenständiger Regierungschef wahrgenommen wird. Seine Bedeutung steht unzweifelhaft hinter den Klever Herzögen zurück, die, fünf an der Zahl, zu ihrer Zeit Glanz und Gloria präsentierten. Der Graf, um den es hier geht – Dietrich IV./VI. – befand sich viele Jahre lang in einem Konflikt mit dem Kölner Erzbischofsstuhl. Er führte zwar keinen spektakulären Krieg und war auch sonst nicht besonders herausragend. Seine mithilfe erzbischöflichem Willen ausgeübte Macht zeigte er durch einen Federstrich unter einen Verwaltungsakt: Am 25. April 1242 verlieh Dietrich IV./VI. dem Territorium Kleve die Privilegien und den Status „Stadt“ mit besonderen Rechten wie der Erhebung von Zöllen und Steuern.

Nur ein Straßenschild

Was historisch von Graf Dietrich IV./VI. übrig bleibt, reduziert sich als Name auf einem Straßenschild in der Oberstadt, dem ein kurzer Hinweis auf die Person und ihrer besonderen Beziehung zu Kleve angefügt ist. Je nach wissenschaftlichem Kenntnisstand variierte die Zählweise im Grafengeschlecht der Dietrichs. Es existieren zahlreiche Dietriche mit noch zahlreicheren Namenszusätzen – von I./III. bis VII./IX., basierend auf Vermutungen. Der Clan der Dietrichs stammt übrigens aus dem Südwesten Deutschlands.

Das genaue Geburtsdatum von Dietrich ist nicht bekannt, wahrscheinlich wurde er zwischen 1187 und 1296 als Sohn des III./V. Dietrich von Kleve geboren. Als sein Vater starb, wurde Graf Dietrich von Holland sein Vormund. Noch sehr jung an Jahren trat Dietrich IV./VI. als Regent an. Seine Herrschaft war von langer Dauer und endete erst mit seinem Tod wahrscheinlich am 24. Mai 1260. In zweiter Ehe – der Name der ersten Frau ist nicht bekannt – heiratete Dietrich etwa 1226 Hedwig von Meißen, die ihm vier Kinder gebar: Dietrich V./VII., Dietrich Luf (I.), Jutta und Agnes. Schon früh geriet Dietrich mit dem Erzbischof von Köln, Engelbert von Berg, aneinander und unterstützte 1216 und 1218 den Jungherzog von Limburg bei dessen Auseinandersetzungen mit Engelbert. Im Jahr 1225 wurde Engelbert ermordet und Dietrich als Mittäter zur Verantwortung gezogen. König Heinrich VII. sprach ihn jedoch von diesem Vorwurf frei. Mit dem Tod Engelberts waren die Konflikte zwischen Kleve und Köln jedoch nicht beendet. Engelberts Nachfolger Heinrich von Müllenark setzte die Fehde fort.

Überall in Kleves Nachbarschaft wurden Stadtrechte verliehen, etwa an Rees, Xanten und Rheinberg. Um nicht hinter dieser Entwicklung zurückzubleiben, benötigte auch Kleve städtische Privilegien. „1230 erhielt der Graf vom Erzbischof, mit dem er sich wegen dessen herzoglicher Machtstellung verständigen musste, die Erlaubnis, auf der Insel Kalkar eine Stadt zu errichten,“ erläutert der Landschaftsverband Rheinland auf der Webseite „rheinische-geschichte.lvr.de“. Eine Drohung von Konrad von Hochstaden, den Klever Grafen mit Bann und Interdikt zu unterwerfen, führte dazu, dass Dietrich ab 1246 sich gegenüber der kölnischen Seite friedlich verhielt. Konrad von Hochstaden revanchierte sich bei Dietrich, indem er kurz vor dessen Tod erlaubte, Burg Monterberg bei Kalkar wieder zu errichten. Sie wurde bis etwa 1340 zum bedeutendsten Sitz der Grafen aus Kleve. Dietrich IV./VI. teilte 1255 sein Erbe zwischen seinen Söhnen Dietrich V./VII. und Dietrich Luf (I.) auf.

Er spielt kaum noch eine Rolle

Wo der Prinzipal, der Kleve die Stadtrechte verlieh, begraben wurde, ist nicht bekannt. Sicher auch ein Grund dafür, dass die Person Dietrich in der zeitgenössischen Geschichtsschreibung und -interpretation keine bedeutende Rolle spielt. Als wahrscheinlicher Begräbnisort wird das Kloster Bedburg auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Bedburg-Hau angenommen.