Ehrenamt ist keine Einbahnstraße

Dietmar Stalder mit seiner selbst gemalten Jahrtausenduhr.
Dietmar Stalder mit seiner selbst gemalten Jahrtausenduhr.
Foto: Andreas Daams
Was wir bereits wissen
Dietmar Stalder aus Goch ist zum dritten Mal zum Bezirksvorsitzenden der KAB gewählt worden. Weiter attraktive Themen bieten, auch ohne Mitgliedschaften

Goch..  Als Dietmar Stalder 1964 zur Welt kam, gab es zwei intakte katholische Pfarrgemeinden in Goch und eine mitgliederstarke Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB). Stalder wurde Messdiener, Gruppenleiter, war bei Ferienlagern dabei. „Zu der Zeit hatte die Kirche für uns ein sehr attraktives Angebot“, sagt er. Und weil er in einer KAB-Familie groß wurde, war er auch mit dabei, als sich in Goch eine KAB-eigene Jugendgruppe gründete. „Wir sind zusammen weggefahren, haben auf dem Kirchplatz Autos gewaschen, um Geld in die Kasse zu bekommen, sind am Wochenende zusammen rausgegangen.“ So fing es an.

Seit 2011 ist Dietmar Stalder Bezirksvorsitzender der KAB. 23 Ortsgruppen mit 2200 Mitgliedern gibt es im Kreis, und wenn einmal im Jahr Bezirksversammlung ist, ist ordentlich was los. Oder wenn die Gocher wie im letzten Jahr den Diözesantag ausrichten und 250 Teilnehmer aus dem ganzen Bistum eintreffen, um gemeinsam zu beraten. Und auch sonst ist die KAB für Stalder kein Ehrenamt, das man mal eben so nebenbei abhakt. Drei bis vier Abende pro Woche ist er mit KAB-Angelegenheiten befasst, schätzt er.

Bildungsarbeit

Ein wichtiger Bereich ist die Bildungsarbeit. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben sich Mitte des 19. Jahrhunderts Arbeitervereine gebildet, sozialistische wie katholische. Damals wollten die Kirchen die Katholiken vom sozialistischen Bestrebungen fernhalten. Heute veranstalten KAB und DGB gemeinsam Podiumsdiskussionen zu Wahlen, oder es geht bei der KAB-Bildungsarbeit um so heiße Eisen wie Fracking oder TTiP. Die Hälfte der Besucher bei derartigen Veranstaltungen ist nicht KAB-Mitglied. „Es ist schön, dass wir viele Menschen mit den Themen ansprechen“, sagt Stalder. „Aber leider werden die nicht Mitglied.“

Und hier liegt ein Problem, das viele Vereine und Organisationen haben. Ein Großteil der Mitglieder ist längst im Rentenalter. Junge Leute engagieren sich kaum. Stalder beklagt das nicht, er stellt es nur fest. Die KAB eröffnet deshalb die Möglichkeit, Vereine direkt auf Bezirksebene zu eröffnen, um so auch für Menschen attraktiv zu sein, die an KAB-Themen interessiert sind, ohne die Vereinsarbeit vor Ort mitmachen zu wollen. Man wird sehen, wie das angenommen wird.

Für Stalder selbst ist das Ehrenamt keine Einbahnstraße, in der er nur etwas gibt. Im Gegenteil. Der gelernte Tischler mit Meisterbrief findet sogar, dass er ohne die KAB beruflich nicht da wäre, wo er heute ist. Für die KAB besuchte er einmal Führungskräfteseminar. Und weil er so ein Typ ist, der leicht auf Ideen kommt und die dann auch mit großer Ausdauer umsetzt, beschloss er, das dort Gelernte auch beruflich umzusetzen. So bewarb er sich beim Theodor-Brauer-Haus (TBH), wo er nun Leute ausbildet oder sie berät. „Nach fast 30 Jahren Produktionsarbeit war das ein ziemlicher Wechsel“, sagt er. Und weil er nun schon mal in Sachen Beratung unterwegs war, wollte er auch gleich richtig machen. Also begann er ein Fernstudium für Coaching, das er, wenn alles nach Plan läuft, Ende des Jahres mit einem Zertifikat abschließt. Vier Jahre wird er dann dafür geackert haben. Neben dem Job, der Familie mit den drei Kindern und der Verbandsarbeit führt er nun Einzel- oder Teamcoachings durch. Bleibt da noch Zeit für Hobbys? Joggen, Fitness, das schon. Und noch etwas: „Wenn ich mal viel Zeit habe, baue ich kuriose Sachen aus Holz.“