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Soziales

Dramatische Warteschleife

10.04.2008 | 00:07 Uhr

Rund sechs Monate dauert es bei psychisch kranken Jugendlichen bis zur stationären Aufnahme in den Rheinischen Kliniken.

BEDBURG-HAU. Das Entsetzen war einigen Mitgliedern des Krankenausschusses 4 der Rheinischen Kliniken ins Gesicht geschrieben. Abgesehen von Akutfällen müssen viele Jugendliche durchschnittlich sechs Monate auf eine stationäre Aufnahme in die Kinder- und Jugendpsychiatrie der Rheinischen Kliniken warten. „Ein unzumutbarer Zustand”, stöhnte Ulrich Weber (SPD). „Wir brauchen dringend mehr stationäre Plätze”, fordert Dr. Ursula Kirsch, Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie, „wir liegen weit unter der Bettenkennziffer – uns fehlen hier zehn Plätze”.„Pflichtversorgungist nicht ausreichend”„Ich mag mir nicht vorstellen, was in den sechs Monaten alles passieren kann”, so Anna Peters (Grüne). Aus medizinischer Sicht warnt Dr. Kirsch: „Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen können schnell chronifizieren”. Sie wies zudem daraufhin, dass es gerade in dieser Altersstufe immer mehr Krankheitsbilder gebe, die durch den immer größer werdenen Druck entstehen, den Jugendliche in der heutigen Zeit spüren. „Wir haben zum Beispiel derzeit zehn depressive Gymnasiasten bei uns. Auch müssen wir uns zunehmend schon um Vierjährige kümmern.” Da können Anna Peters und die anderen Ausschussmitglieder nur den Kopf schütteln, wenn sie die geplante Pflichtversorgungsregelung betrachten: „Dort ist für Bedburg-Hau keine Besserung bei den Plätzen geplant.” Deshalb wollen die Ausschussmitglieder jetzt reagieren. „Wir müssen öffentlich Druck in Richtung Krankenkassen machen, damit endlich was passiert”, fordert Weber. Auch das Land NRW sei gefordert: „Die Pflichtversorgung ist nicht ausreichend”, so Anne Peters. 

Einig war sich der Ausschuss, dass das Thema Pflichtversorgung für psychisch kranke Jugendliche in einer Fachtagung aufgearbeitet werden müsse. „Das würde ich begrüßen”, sagte Dr. Wolfgang Senf von den Rheinischen Kliniken Essen, der immer häufiger bei jungen Lehrern in den Dreißigern große psychische Belastungen feststellt. „Wir brauchen präventive Strategien”, fordert Dr. Senf ebenso wie Jutta Eckenbach (CDU): „Wir müssen die Jugendlichen früher abholen, um das Stationäre frühzeitig zu verhindern.” Gefährlich sei, dass durch die Kapazitätsgrenzen das positive Außenbild der Rheinischen Kliniken ins Wanken gerate. „Kürzlich brachte ein Lehrer ein Kind zur Klinik, das aber nicht stationär aufgenommen werden konnte”, berichtet Brigitte Wucherpfenning. Umso wichtiger sei es, in der Außendarstellung klar zu machen, dass die Kliniken weiter gute Arbeit leisten und ihnen die Hände gebunden seien. Dass in den Rheinischen Kliniken allgemein das Verhältnis Personal-Patient auf Kante genäht sei, legte Ombudsfrau Sigrid Koch im Jahresbericht dar. „Sobald jemand krank oder in Urlaub ist, wird der Mangel verwaltet”, so ihre Resümee aus den Patienten-Beschwerden. „Der Personalschlüssel muss geändert werden, die Schmerzgrenze für die Belastung ist erreicht, jetzt muss politisch gehandelt werden”, so Albert Holzhauer (SPD). 

Sigrid Koch wurde gestern einstimmig für weitere zwei Jahre zur Ombudsfrau der Rheinischen Kliniken Bed-burg-Hau gewählt. Sie erhielt viel Lob von der Politik.

Ingmar Kreienbrink

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