Die Welt von gestern

Hildegard Müller erinnert sich gerne an die vergangenen Zeiten.
Hildegard Müller erinnert sich gerne an die vergangenen Zeiten.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Eine Arbeitsgruppe in Kalkar-Grieth erforscht seit Jahresanfang die Dorfgeschichte. Ihr Ziel: Das Wissen der Ortschaft soll nicht verloren gehen

Kalkar-Grieth..  Manche sind alteingesessen, andere zugezogen. Einige leben im Seniorenzentrum St. Marien, wieder andere stoßen einmal in der Woche hinzu. Seit Anfang des Jahres gibt es eine „Arbeitsgruppe Dorfgeschichte“ in Grieth. Jede Woche tagt sie im Seniorenzentrum am Marktplatz. Fünfzehn Personen zwischen 46 und 90 Jahren sind beteiligt. Die Geschichten von früher, die Erinnerungen an das, was einmal war, stehen hier im Mittelpunkt. Aber es geht nicht nur darum, sie zu erzählen. Vielmehr will man sie festhalten, einordnen, daraus etwas entwickeln.

„Wir wollen gemeinsam schauen, was Grieth ausmacht“, erläutert Nicole Brögmann, die das Projekt für das Katholische Alten- und Pflegenetzwerk am Niederrhein (KAN) koordiniert. Dafür ist sie gleich zweifach geeignet: als Kunsthistorikerin und als Einwohnerin von Grieth. „Der Ort war einmal eine Hansestadt“, sagt sie. Und es gebe immer noch tolle Häuser mit schönen Fassaden. Aber was und wen beherbergten sie? Warum ging es mit der Salmfischerei zu Ende? Was hat Grieth mit der Wettervorhersage zu tun? Und wo befanden sich die beinahe 30 Geschäfte, die es hier einmal gab?

Ein erstes Ergebnis des Arbeitskreises steht auch schon kurz vor dem Abschluss. Es handelt sich um einen Flyer, der zu einem ein- bis zweistündigen Rundgang durch den Ort einlädt. Neben zahlreichen Stationen finden sich dort auch Informationen zur Dorfgeschichte. Hier erfährt man, wie die Wasserverschmutzung der Salmfischerei zusetzte. Und für wen und für was man die schönen Häuser baute. Und dass im Haus der ehemaligen Kneipe „Vatikan“ Wilhelm Jakob van Bebber, der Begründer der deutschen Wettervorhersage, aufwuchs.

So ganz nebenbei sollen die Bewohner des Seniorenzentrums und Einwohner des Ortes die gemeinsame Identität als Griether Bürger entdecken. Eine große Stütze des Projekts ist beispielsweise Hildegard Müller. Sie wurde in dem Haus geboren, in dem sich heute das Haus für Senioren befindet - damals war es das Krankenhaus. Schon dies muss man erst einmal wissen. „Als mein Mann verstorben ist, hatte ich plötzlich ganz viel Zeit“, erzählt sie. „Jetzt bin ich zweimal in der Woche im Haus für Senioren und besuche die Leute hier.“ Sie erinnert sich noch sehr genau, wie Grieth in ihrer Kindheit aussah.

„Hildegard Müller ist uns eine große Stütze“, findet Nicole Brögmann. Material in Form von Fotografien und Zeitungsartikeln gab es von Teilnehmern des ehrenamtlichen Projekts und vom Heimatmuseum Grieth. „Jetzt können wir das Wissen noch sammeln“, freut sich Nicole Brögmann. „Wenn wir das jetzt nicht festhalten, ist es weg.“