Die Welt mit der Lupe entdecken

Briefmarkensammler , Vorsitzender Werner Driever, Referent Jan Mulder
Briefmarkensammler , Vorsitzender Werner Driever, Referent Jan Mulder
Foto: Andreas Daams
Was wir bereits wissen
Die Klever Briefmarken-Sammler treffen sich einmal im Monat. Dann nähert sich ihnen die Geschichte im Miniatur-Format

Kleve..  Das Mitteilungsbedürfnis der Menschen ist nicht erst in den Zeiten von E-Mail und Facebook erwacht. Früher haben sich Menschen Briefe geschrieben. Davon erzählen sich die Klever Briefmarken-Sammler, die sich jeden zweiten Sonntag im Monat im Kolpinghaus treffen. Zum Beispiel von Marienwerder, dem heutigen polnischen Kwidzyn, berichten sie. Im ersten Weltkrieg konnte man seine Briefe mit den deutschen Germania-Marken frankieren. Doch der Friedensvertrag von Versailles bestimmte, dass die Bevölkerung Marienwerders über den Verbleib bei Deutschland oder den Anschluss an Polen bestimmen sollte. Doch auch in dieser Zeit des Weder-Noch brauchte man Briefmarken. Die Druckerei in Mailand verspätete sich, also überdruckte man die Germania-Briefmarken einfach. Als dann die Bevölkerung sich für den Verbleib bei Deutschland entschied, konnte man für kurze Zeit die überdruckten Germania-Marken und die Marienwerder-Marken gleichzeitig benutzen.

Jan Mulder aus Cuijk weiß so etwas nicht nur. Er kann auch gleich etliche Beispiele zeigen. Die machen deutlich, dass auch beim Zerfall von Imperien ganz oft eines weiterhin funktioniert: die Post. Briefmarken können mit ihren Motiven, Stempeln und Aufdrucken nur Geschichte dokumentieren. Sie können auch echte Leidenschaften entfachen. Beim Vereinstreffen im Kolpinghaus gibt es immer einen Vortrag und danach die Gelegenheit zum Austausch – von Gedanken, Worten und Marken.

Der Vorsitzende Werner Driever ist überzeugt: „Ich kenne kein Medium, das vielseitiger ist.“ Er selbst sammelt beispielsweise Briefmarken mit Segelschiffen. Über 8000 verschiedene Motive hat er inzwischen, vor zwei Jahren hat er mit dem Thema „Navigation auf alten Segelschiffen“ sogar die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Wie einen Aufsatz muss man sich so ein Thema vorstellen, nur mit Briefmarken.

Die Sammler sind nicht nur stark untereinander vernetzt, sondern auch international ausgerichtet. Jan Mulder war gerade noch in London, er ist Mitglied der Arbeitsgruppe Myanmar. In dem südostasiatischen Staat hat er lange gelebt und dabei eine riesige Myanmar-Briefmarkensammlung aufgebaut. „Was mir Spaß macht, ist nicht nur das Sammeln, sondern auch, darüber Artikel zu schreiben und Vorträge zu halten“, so Mulder. Angefangen hat er mit dem Sammeln als Kind, genau wie Werner Driever. „Man muss diesen Virus haben“, sagt Driever. Dann entdeckt man die Weltgeschichte gewissermaßen mit der Lupe ganz neu.

Seit 1956 gibt es den Verein. Er hatte immer um die 40 Mitglieder, „jetzt sind wir noch 24“. Der Grund, wie bei so vielen Vereinen, ist der fehlende Nachwuchs. Der Altersdurchschnitt liegt bei 72 Jahren. Neue Interessenten sind daher willkommen. Eine eigene Vereinszeitung und themenbezogene Ausflüge vertiefen das philatelistische Interesse. Driever: „Für so einen kleinen Club haben wir eine sehr gute Beteiligung.“