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Die Rettung der Liebfrauenkirche

21.01.2009 | 00:04 Uhr
Die Rettung der Liebfrauenkirche

Zwei Kindergärten unter einem Kirchendach vereint: Liebfrauen soll als Kirche im eigentlichen Sinne schließen und als Kita und Gemeindezentrum erhalten bleiben.

GOCH. Klingt paradox. Irgendwie. Und doch ist es eine Chance. Womöglich die einzige und letzte für Gochs Liebfrauenkirche: Schließen, damit sie erhalten bleibt. Wie bitte? „Ja. Wir schließen das Gebäude als Kirche im eigentlichen Sinne, um sie als Gemeindezentrum und Kindertagesstätte erhalten zu können”, stellte Pastor Günter Hoebertz gestern Nachmittag das mögliche Konzept zur Umnutzung der Liebfrauenkirche vor. Denn: „Der Erhalt hat oberste Priorität”, so Martin Jürgens vom Bauausschuss der St.-Arnold-Janssen-Gemeinde. „Schließlich geht es hier nicht um irgendwelche Steine, die abgerissen werden, sondern um Geschichten und Erinnerungen der Menschen, die diese Gemeinde ausmachen”, sagt der Pastor.

Aus wirtschaftlichen Gründen sei laut Bistum Münster ein Erhalt der Liebfrauenkirche nicht mehr tragbar. Spätestens in 2013 ist Schluss. Es sei denn, die Gemeinde findet gute Umnutzungsmöglichkeiten, die sich rechnen (die NRZ berichtete).

Dass der Kirchenvorstand inklusive eines siebenköpfigen „Kernteams” seit rund 1,5 Jahren genau an dieser guten Umnutzungsmöglichkeit bastelt, geschah bisher weitgehend im Hintergrund. Bis sich das Bürgerforum Goch (BFG) einmischte – und „sein” Konzept zum Kircheneigentum einbrachte: „Da soll sich die Politik mal schön raushalten”, stellte Gochs Pastor heraus, „schließlich sind unsere Ideen zu unserer Kirche bereits zwei Schritte weiter.”

Und mit diesen möchte der Kirchenvorstand auch gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Würde die Liebfrauenkirche durch Einrichtung eine Kita erhalten bleiben, müsste das Gebäude nicht abgerissen werden und das Problem mangelnder Betreuungsplätze in Goch sei auch vom Tisch (die NRZ berichtete). Außerdem liegt die Liebfrauenkirche mit Saal und Außengelände in Nachbarschaft zum neu entstehenden Wohnviertel auf dem ehemaligen Kasernengelände.

Dabei würden auf dem Kirchengelände die Kindergärten St.-Maria-Magdalena und „Haus der Kinder Liebfrauen” in acht Gruppen in einer Einrichtung zusammen gelegt werden. Das Gebäude des jetzigen Magdalena-Kindergartens würde „bei der Superlage”, wie Hoebertz beschrieb, „mit Sicherheit einen Käufer finden.”

Das Gelände des Liebfrauenkindergartens wäre eventuell als Grundstückskauf für die Stadt Goch interessant. Ein Kauf der Kirche hingegen komme für die Verwaltungsspitze nicht in Frage, „wenngleich Bürgermeister Otto mit uns in Münster war und Unterstützung signalisierte”, berichtete Georg Kuypers, der im „Kernteam” für die Kindergartenarbeit im Einsatz ist. Sehr emotional werde derzeit die Debatte um den Erhalt der Liebfrauenkirche innerhalb der Gemeinde geführt – etliche Umnutzungsideen erreichten den Vorstand. Nun werden stadtweit Unterschriften gesammelt – für den Erhalt einer Herzensangelegenheit.

Zwei Machbarkeitsstudien seitens des Gocher Architekturbüros Verhoeven und des Kevelaerer Kollegen Dalmann liegen der Gemeinde vor. Eine Möglichkeit sieht eine Unterbringung der Kinder im Liebfrauensaal und den Keller als Mensa vor. Plan zwei bringt vier Kinder-Gruppen in der Kirche, weitere vier in einem Neubau an der Weberstraße unter. Die Zahlen dazu werden in einer Sitzung nächste Woche erörtert. Auch hat die geistliche Gemeinschaft „Shalom” Interesse an einer Kirchen-Pacht bekundet.

Katrin Reinders

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