Die Optik spielt mit

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Goch.  Klack. Klackklack. Klock. Nanu? Treibt hier etwa ein Schlagzeugschüler sein Unwesen? Ein Blick um die Ecke, schon ist die Sache klar. Ein Pulk junger Musikerinnen und Musiker hat sich um einen Kicker versammelt. Eifrig werden hier Tore geschossen, polnische, niederländische und deutsche. Die Stringtime NiederRhein ist eben nicht nur eine Fortbildungseinrichtung für Musik-Eliten. Sie ist auch ein Treffen von Kindern und Jugendlichen mit ganz normalen Bedürfnissen. Der Kicker ist da vielleicht nicht der schlechteste Anknüpfungspunkt zur Völkerverständigung.

Ein anderer ist natürlich die Musik. Im Gocher Kastell ist man die Klangzaubereien der Jungvirtuosen nun schon seit 20 Jahren gewohnt. Da treten Jungen und Mädchen auf, deren Gang auf die Bühne meist unsicherer ist als ihr Geigen- oder Cellospiel. Beim Eröffnungskonzert waren sie wieder da: in schönen roten, blauen oder schwarzen Kleidern die Mädchen, denn die Optik spielt irgendwie ja doch mit. Der einzige Junge hatte direkt das Zeug zum Star. Michal Balas heißt er, er spielte ein Stück von David Popper, bei dem seine Hand so schnell über die Cellosaiten fegte, wie sonst nur Hochleistungs-What’s-Apper über ihre Smartphones wischen.

Die Mischung aus ernsthafter Klassik und unterhaltsamen musikalischen Showteil war auch diesmal gewahrt. Mit Chaussons „Poeme“ spielte Salomé Bonnema ein großes romantisches Werk. Bach gab es zu hören, Mozart und Grieg (gespielt von der Jüngsten, Lotte Kläsgen), bedeutende Namen. Und Pablo de Sarasate, dessen Werke manchmal Zirkusnummern ähneln und die, wenn sie so gut gespielt werden wie von Annemie Greschner, zuverlässig ein staunendes Publikum hinterlassen. Das gelang erst recht Mira Marton mit einem Stück von Szymanowski, das jede technische Schwierigkeit durch eine noch größere Schwierigkeit ersetzte. Im recht vollen Saal applaudierten die Besucher begeistert, die Kursteilnehmer jubelten ihren Kollegen zu.

Auch den Klavierbegleitern. Man darf die Rolle der Klavierprofessoren nicht unterschätzen, denn sie bilden sozusagen das Firmament, in dem dann ein Stern aufgehen kann. Georg Neinhuis stellt ihnen Flügel zur Verfügung, seit 20 Jahren nun schon, unentgeltlich. Vier Flügel und ein Klavier sind es jetzt, beim ersten Mal 1995 waren es noch ein Flügel und ein Klavier. Viel Zeit zum Aufbauen gibt’s nicht. „Freitagmittag kommen wir erst um 14 Uhr ins Kastell, und um 17 Uhr wollen die ersten schon üben“, sagt Neinhuis. Manchmal muss er die Kinder von der Bühne scheuchen, um den großen Konzertflügel erst noch zu stimmen.

Vielleicht träumen sie davon, einmal als Solist auf den großen Bühnen dieser Welt zu stehen. Doch Wunderkinder gibt es viele, sehr viele, und Platz auf den Weltbühnen nur wenig. Immerhin: Ein Wunderkind, das es geschafft hat, kommt am Karsamstag nach Goch. Frank Peter Zimmermann, Schirmherr der Stringtime, wird dann im Kastell öffentlich unterrichten. Am Tag darauf, beim Abschlusskonzert, spielt sein Sohn ein Klavierkonzert von Mozart. Mozart war auch mal als Wunderkind gestartet, aber seine Zeitgenossen hatten zuletzt anderes zu tun, als seinen Meisterwerken zu lauschen. Hoffentlich haben Michal, Mira, Annemie und die anderen mehr Glück.

Die Konzerte in Hommersum (Donnerstag) und Graefenthal (Karfreitag) sind ausverkauft. Fürs Abschlusskonzert am Ostersonntag um 14 Uhr im Kastell sind noch Karten zu haben.