Die Mieten sind in Kleve sehr human

Wo früher das Schweizerhaus an der Albersallee stand, wachsen zurzeit öffentlich geförderte Wohnungen.
Wo früher das Schweizerhaus an der Albersallee stand, wachsen zurzeit öffentlich geförderte Wohnungen.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Zwar ist die Stadt eine von 22, für die eine Mietpreisbremse auferlegt wurde. Aber sowohl die Investoren als auch Vermieter, Mieterschützer und Stadt sehen keinen Bedarf dafür. „Wir sind unter dem Mietspiegel“

Kleve..  Kleve steht auf einer Stufe mit Köln, Düsseldorf, Neuss — bei der Mietpreisbremse für Neuvermietungen. Es gehört zu den 22 Städten im Lande, für die das Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung einen Miet-Deckel ab 1. Juli auflegt. Es sind vor allem Universitätsstädte, bei denen man eine „angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt“ ausgemacht hat. Dort zahlt künftig ein Mieter höchstens 110 Prozent der ortsüblichen Miete.

5,25 Euro / qm

Auf NRZ-Anfrage listet die Kreisverwaltung als Genehmigungsbehörde auf: Es wurden im Jahr 2014 Förderanträge auf sozialen Wohnungsbau gestellt für fünf Häuser mit 116 Wohneinheiten. Das Fördervolumen beträgt 7,4 Millionen Euro. Deren Bewilligungsmiete liegt bei 5,25 Euro pro Quadratmeter.

„Für uns ist das eher ein zahnloser Tiger“, beurteilt Michael Dorißen, Geschäftsführer der GeWoGe-Wohnungsgenossenschaft. „Wir liegen mit unseren Vermietungen sowieso im Mietspiegel, teils sogar unter der untersten Grenze.“ Auch nach ausführlichen Renovierungen sei das so und selbst bei Neubauten wie an der Richard-van-de-Loo-Straße. „An Investitionen passiert gerade unheimlich viel in Kleve. Es kommt ein großes Angebot auf den Markt. Mühlenberg, Schweizerhaus, auch in der Unterstadt ist vieles in der Pipeline“, sieht Dorißen.

Jochen Koenen von Zevens-Grundbesitz bekräftigt: „Kleve liegt oft unter dem Mietspiegel. Es wird viel für den Wohnungsmarkt gemacht..Unser Konzept seit fast 50 Jahren ist es, auch frei finanzierte Wohnungen im Mietspiegel zu vergeben.“ Zevens erstellt gerade 150 öffentlich geförderte Objekte am ehemaligen Standort Schweizerhaus.

Baudezernent Jürgen Rauer bestätigt: Die Stadt „versucht grundstückspolitisch Einfluss zu nehmen, dass die Preise nicht in die Höhe treiben.“ Sie wolle mit der GeWoGe Angebote schaffen. Das Amt bemühe sich um „erhöhte Freigabe für Anträge auf öffentlich geförderten Wohnungsbau“.

Laut Hiltrud Schoonhoven, Geschäftsführerin vom Haus- und Grundbesitzerverein Kreis Kleve, „funktioniert der Markt in Kleve. Seit Beginn der Hochschule stiegen die Baufertigstellungen um hundert Prozent.“ Rund 300 bis 400 Wohnungen kämen bald dazu: Küppersstraße Gewoge 100 Wohneinheiten, Klimaschutzsiedlung teils von Wohnbau eG Goch 150 WE, am Schweizerhaus 90 WE. Neuer Mietraum entsteht im Wohnheim Block 3 an der Flutstraße, in der Klimaschutzsiedlung an der Materborner Allee. „In Kleve ist ja Platz, da konnten Baulücken geschlossen werden. Bei Semesterbeginn ist es eng, danach nicht mehr.“ Die Mietpreisbremse treffe Kleve nicht, denn hier stiegen die Mieten um vier oder zwei Prozent, in Düsseldorf um zehn.

Benjamin Tepper vom „Mieterverein Wesel-Bochol-Kleve und Umgebung e.V.“ erinnert: Schon im Vorjahr fiel Kleve unter die 59 Städte, für die eine „Kappungsgrenzenverordnung“ galt, weil nicht genügend Wohnraum bereit stand. Dass es nun zu den 22 mit Mietpreisbremse zähle, müsse seinen Grund haben. „Aber Probleme mit überzogenen Mieten kenne ich im Bereich Kleve im Moment nicht“. Es gebe nur einzelne schwarze Schafe, die bei Preisen für Studentenzimmer maßlos überziehen.

Die Mietpreisbremse bedeutet nun einen noch stärkeren Eingriff in die Vertragsfreiheit und Eigentumsfreiheit der Hauseigentümer als die „Kappung“. Allerdings gelten Ausnahmen, etwa für Neubauten nach 2014, für „umfassende Modernisierung“ (= ein Drittel Investition von Neubauwohnungen) und „aufwändige Modernisierung“.

Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks freut sich über die Mietpreisbremse in ihrer Heimatstadt. „Nicht zuletzt Rentnerinnen und und Rentner, die kleinere Wohnungen suchen, werden dadurch vor zu hohen Mietforderungen geschützt“, Einkommensschwächere Bürger würden entlastet.