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Die Männergruppe

06.03.2008 | 16:41 Uhr
Die Männergruppe

Im Weezer Petrusheim sind kreative Köpfe am Werk. Manchmal verschenken sie sogar Herzen – auf Papier.

Kein Zweifel: Der Frühling naht. Vom kleinen Täuschmanöver des Winters lässt sich Melanie Weck nicht beeindrucken. Die Kunsttherapeutin hat die ersten Frühlingsboten bunt auf weiß. Im Atelier des Weezer Petrusheims ist der Wandel von Natur und Sinnen nicht zu übersehen. Hans-Dieter Moritz, der tief abgetaucht war in seine rote Phase, verpasst seinen Werken neuerdings kunterbunte Anstriche. Nikolaus Rohler kleidet seine Streichholzhäuser in ein farbiges Stoffgewand. Und Erwin Schillinger arbeitet an einem Vier-Jahreszeiten-Baum in Acryl. Für den Frühling tupft er grelles Grün auf die Leinwand. Es ist seine Lieblingsjahreszeit. „Ich habe im Mai Geburtstag”, sagt der 52-Jährige. Der Mann im Rollstuhl ist kurz angebunden. Die Farbdose ist offen, der Pinsel getränkt – es gibt viel zu tun.Dass sechs Bewohner des Alten- und Pflegewohnheims hier so einträchtig beieinander sitzen und ihre Persönlichkeit mit Pinsel, Schere und Papier zum Ausdruck bringen, hat sich Melanie Weck hart erarbeitet. Seit 2004 hat sie den Männern des Petrusheims die Kreativgruppe schmackhaft gemacht. „Kinderkram” – das bekam sie anfangs von vielen zu hören. Heute hat sie ihre Stamm-Künstler, die montags und freitags pünktlich zur Öffnungszeit des Ateliers auf der Matte stehen. Nikolaus Rohler ist immer dabei. „Hände hoch”, sagt der 95-Jährige, grinst schelmisch, lässt sich von Melanie Weck die grüne Künstler-Schürze umbinden und steuert seinen Stammplatz an. Jeder hat hier sein Revier. Am Tisch von Nikolaus Rohler stehen die Streichhölzer für seine Bauwerke parat. „Feste Rituale sind wichtig für die Bewohner”, erklärt die Therapeutin. Sie kennt die Biographien der Herren und leitet sie so zu Aufgaben, die zu ihnen passen. Frank Vogt, der Fliesenleger, gestaltet Mosaike. Die Motive sind ihm egal. Er liebt das Handwerk und klebt die Steinstücke ordentlich auf Vorlagen, die Melanie Weck zeichnet. Hans-Dieter Moritz gestaltet lieber selber. Der ehemalige Maler und Lackierer mag Herzen und hat nach einer Krankheit wieder gelernt, den Stift über Papier gleiten zu lassen. Und weil er, wie die Kunsttherapeutin sagt, ein sehr herzlicher Mensch ist, verschenkt er seine Bilder. Wenn sie nicht gerade ausgestellt werden. „Von mir hängen Bilder im Rathaus”, sagt der Mann, der auch ein selbst gestochenes Herz-Tatoo auf dem Arm hat, stolz. Melanie Weck hatte die Idee, die Werke ihrer Kreativ-Gruppe auszustellen. Und sie ist sehr froh über die gute Resonanz in Weeze. „Es hat sich einiges bewegt”, sagt sie und meint, dass das Bild der ehemaligen Arbeiterkolonie Petrusheim in der Öffentlichkeit durch die Kunst-Ausstellung besser geworden ist. „Die Leute haben unsere Bewohner dadurch besser kennen gelernt.”

Wer mithelfen möchte – das Petrusheim sucht Ehrenamtler, die zum Beispiel mit den Bewohnern Skat spielen wollen.  02837/9 14 27 00.

Die Ausstellung der Kreativgruppe des Petrusheims „Ich. Ich bin. Ich kann” ist noch heute bis 18 Uhr und morgen, Freitag, von 8 bis 12 Uhr im Foyer des Weezer Rathauses zu sehen.

Julia MÜLLER

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