Die Leinwand reißt auf

Klaus Ebbers vor einer Arbeit von Franziska Reinbothe
Klaus Ebbers vor einer Arbeit von Franziska Reinbothe
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Dem Bild voll Teig und Kaffee ins Kreuz getreten. Die Galerie Ebbers in Kranenburg zeigt Werke der Leipziger Künstlerin Franziska Reinbothe

Kranenburg..  Welkes Haar mit schwarzer Pomade. Komischer Protest mit offensichtlicher Festlegungsvermeidung. Etwas dröge Bühnensituation, zu Recht unbespielt. Das sind einige der Titel, die Franziska Reinbothe ihren Bildern gegeben hat. Fast ist es schöner, ihre Bilder nicht zu sehen und nur diesen Titeln zu lauschen. Aber riskiert man einen Blick, schiebt sich der Humor sogleich auf eine entferntere Bezugsebene. Denn das, was man sieht, hat eine Qualität für sich, die durch die Titel weder auf- noch abgewertet wird. Beides, Bild und Titel, treffen sich zufällig im Raum und damit im Kopf des Betrachters.

Angefangen hat sie mal damit, bunte Sachen zu stricken. So haben Klaus und Sharon Ebbers sie kennengelernt, 2007 war das, in Leipzig. Dort hat die 1980 geborene Berlinerin studiert. „Ein verrücktes Mädchen, die Sachen mit sensationellen Farben strickte“, erinnert sich Klaus Ebbers. Damals kündigte sie schon an, mit dem Stricken aufzuhören. Ihr drohte die feministische Ecke, und da wollte sie sich nicht abstellen lassen. Also hat sie sich neu erfunden.

Als das Kranenburger Galeristenpaar jüngst wieder an den Akademien nach hoffnungsvollen Talenten suchten, stießen sie wieder auf Franziska Reinbothe. „Sie fiel uns mit ihrer malerischen Position sofort auf“, sagt Ebbers. Eine Korrespondenz begann. Sie mündet in der Ausstellung, die Sonntag in der Galerie Ebbers beginnt.

Was man sieht? Gemälde, ja, aber als figurative Elemente ihrer selbst. Franziska Reinbothe bemalt Leinwände mit Farben, Teig, Kaffee oder Mehl. Und wenn dann alles getrocknet ist, formatiert sie die Bilder neu. Formatieren – das ist ihre Bezeichnung für etwas, das man salopp kaputtmachen nennen würde. „Ich halte das Bild mit dem Rücken zu mir gewendet gut fest, stelle ihm mein rechtes Bein ins Kreuz und stemme es solange dagegen, bis das Kreuz laut bricht. Die Leinwand reißt auf, ich prüfe, wie ich das Bild zusammenklappen kann, noch sperrt es sich, aber es liegt schon am Boden, ich breche weitere Leisten.“ So schreibt die Künstlerin in einem Arbeitsbericht.

In ihrer Anordnung bemalter Flächen zu Objekten liegt wohl auch ein Kampf gegen die allzu präsenten Kunstausblicke vergangener Jahrhunderte und Jahrzehnte.

Andererseits nutzt sie ja gerade das Destruktive zum Aufbau ihrer Bilder, und mit den Titeln reißt sie das so gewonnene Statement auch gleich wieder ein Stückweit ein. Das Schöne bei alledem ist, dass man als Betrachter das alles zwar denken kann. Am Ende ist der Genuss dann doch ästhetischer Natur.

Die neue Ausstellung ist zu sehen: Galerie Ebbers, Siep 7 in Kranenburg: mittwochs bis freitags von 15 bis 19 Uhr, samstags von 11 bis 15 Uhr. Die Bilder von Franziska Reinbothe sind bis zum 28. Juni zu sehen.