Die Klever CDU – ein Scherbenhaufen

Die Wahl Udo Janssens stößt bei vielen CDU-Mitgliedern mittlerweile auf offene Ablehnung.
Die Wahl Udo Janssens stößt bei vielen CDU-Mitgliedern mittlerweile auf offene Ablehnung.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Analyse: Die Klever CDU diskutiert heftig über Udo Janssen. Öffentlich redet keiner – und doch haben viele etwas zu sagen. Ein Protokoll „nicht geführter Gespräche“

Kleve..  Öffentlich reden möchte niemand. Aber „wenn wir nicht darüber gesprochen haben“ wollen führende CDU-Mitglieder doch eine ganze Menge über den beklagenswerten Zustand ihrer Partei erzählen. Bei den Christdemokraten schlagen die Wellen aktuell derart hoch, dass die Partei vor einer Zerreißprobe steht, wie sie diese vermutlich in ihrer Geschichte noch nicht erlebt hat. Die gewonnene Bürgermeisterkandidatur von Udo Janssen birgt auch gut einen Monat nach dem denkwürdigen Abend im Kolpinhaus so viel Zündstoff, dass viele Christdemokraten ihre angestaute Wut nun auch intern äußern.

Von einem „Tsunami des Protestes“ ist von erfahrenen Parteimitgliedern zu hören, von einem „Desaster“ für die Klever CDU. Mit dieser Wahl habe man sich „keinen Gefallen getan“, sagen Parteimitglieder der NRZ. Der gewählte Kandidat Udo Janssen sei in der Öffentlichkeit derart verbrannt, dass man sich kaum noch Chancen auf das Bürgermeisteramt ausrechne. Wenn die Oppositionsparteien sich nun auf einen bürgerlichen Kandidaten einigen, sei die Sache gelaufen. Viele Mitglieder in der CDU würden sogar einen anderen Kandidaten als Udo Janssen mittragen und unterstützen. Das soll schon was heißen.

Auch der neue Stadtverbandsvorstand steht nach vier Wochen unter mächtigem Druck. In einem autorisierten Interview im Klever Wochenblatt sagte der neue Vorsitzende Aloys Hermanns auf die Frage, ob der Vorstand einstimmig hinter Udo Janssen stehe: „Ja“. Und diese zwei Buchstaben haben intern für ordentlichen Wirbel gesorgt. Natürlich müsse der Vorstand nach außen geschlossen wirken. Aber schon nach zwei Telefonaten erfährt man: Der junge CDU-Stadtverbandsvorstand steht alles andere als geschlossen hinter Janssen. Am Montag, 26. Januar, werden sich die neuen Mitglieder treffen und über die weitere Lage diskutieren. Aloys Hermanns ist in seiner neuen Funktion nicht zu beneiden. Denn „Gesprächsbedarf gibt es auf allen Ebenen.“

„Wie die Doofen“

Besonders verärgert zeigen sich die Vorstände der Ortsverbände. Haben sie doch im Vorfeld sich deutlich für Wolfgang Gebing positioniert. „Sie haben die Hosen herunter gelassen“ und stehen nun ziemlich nackt und düpiert da. „Wir kommen uns vor wie die Doofen“, ist zu hören. Die gesamte Kandidatenwahl für das Bürgermeisteramt sei eine „Katastrophe“ gewesen. Denn: „Die Damen und Herren, die Janssen gewählt haben und die Arbeit machen müssten, die sieht man jetzt nicht mehr“.