„Die Kindergarten-Träger müssen aufwachen“

Frank Unruh, Kreisjugendamt Kleve Foto: Thomas Momsen
Frank Unruh, Kreisjugendamt Kleve Foto: Thomas Momsen
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Was wir bereits wissen
Die Politik in Bedburg-Hau fordert schnellstmöglich einen runden Tisch über die Fehlentwicklungen in den Kindergärten

Bedburg-Hau..  Der Gemeinderat in Bedburg-Hau zeigte sich ob der jüngsten Vorwürfe des Kreisjugendamtes an die Träger der örtlichen Kindergärten „überrascht“ (wir berichteten). Michael Hendricks, Fraktionsvorsitzender der FDP, hatte angeregt, den Kreisjugendamtsleiter Frank Unruh in den Rat einzuladen. „Wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass mit dem neuen Anmeldeverfahren nun alles in Ordnung ist. Und jetzt das. Ich bin bestürzt“, sagte Hendricks in der Ratssitzung. Der Liberale ist sich sicher, dass das Land eine Rückforderung an die Träger stellen werden: „Hier ist Geld gezahlt worden für U-3-Plätze, die nicht angeboten worden sind.“

Unzufriedene Eltern

Aus eigener Erfahrung konnte Hendricks berichten, dass viele Eltern das Anmeldeverfahren kritisiert haben. Sie seien zum Teil genötigt worden, die 45-Stunden-Varianten zu wählen, obwohl sie diese nicht benötigten. „Wir haben jetzt viele unzufriedene Eltern“, so Hendricks. Bis heute habe er für seinen Sohn, den er für drei Einrichtungen angemeldet habe, weder eine Zusage noch eine Absage erhalten. „Und jetzt bis zum 1. August noch eine Tagesmutter zu finden, ist nicht so einfach.“

Kreisjugendamtsleiter Frank Unruh bestätigte, dass viele Eltern noch keinen festen Vertrag in der Tasche hätten. Die Hälfte der Verträge bei katholischen Trägern sei immer noch nicht verschickt worden. Und es sei ein Unterschied, ob man eine mündliche Zusage erhalten habe oder etwas schriftlich in den Händen halte. Unruh äußerte seine Bedenken, dass offenbar einige Träger mit dem Kita-Gesetz überfordert seien. „Die Träger müssen aufwachen.“

Tacheles reden

Michael Hendricks fordert jetzt schnellstmöglich einen runden Tisch mit allen Beteiligten. Daran müssen das Kreisjugendamt, alle Einrichtungen und die Politik teilnehmen“, forderte er im Gespräch mit der NRZ. Jetzt müsse am Tisch Tacheles geredet und nach einer vernünftigen Lösung gesucht werden.

Silke Gorißen (CDU) stellt klar, dass es in der Gemeinde Bedburg-Hau für alle Kinder unter und über drei Jahren einen Kindergartenplatz gebe. Sie berichtet, dass einige Träger bei der Anmeldung der Kinder keine Geburtsurkunde zur Einsicht verlangt hätten. Dies hätte wohl auch dazu geführt, dass Nachnamen falsch geschrieben worden seien und damit Doppelanmeldungen möglich waren.

Bürgermeister Peter Drießen möchte sich mit einer Bewertung noch zurückhalten: „Ich möchte erst das Gespräch nach Ostern abwarten. Aber viele Dinge, die Herr Unruh vorgetragen hat, haben mich sehr überrascht“, so Drießen.