Die Heilerin in mir

Henrike Brückner zeigt ihre Nana-Figur, die im Schaufenster des Modehauses Schulte zur Wißen ausgestellt wird.
Henrike Brückner zeigt ihre Nana-Figur, die im Schaufenster des Modehauses Schulte zur Wißen ausgestellt wird.
Foto: Karolina Warkentin
Was wir bereits wissen
Am 4. Februar zum Weltkrebstag stellen Frauen mit Brustkrebszwölf Nana-Skulpturen in der Klever Fußgängerzone aus

Kleve..  Farbenfroh, voluminös und in Bewegung ist Henrike Brückners Nana. Dabei ist sie der kreativen Ausdruck einer schweren Krankheit – Brustkrebs. 1996 bekam Brückner die Diagnose, sie war 42 Jahre alt. Seitdem wird sie von der Krankheit begleitet. 2012 nahm Brückner gemeinsam mit anderen an Brustkrebs erkrankten Frauen an einem Kunstworkshop der Interessengemeinschaft Krebs in Zusammenarbeit mit Beate Reinders teil. Zwölf der im Workshop entstandenen Plastiken werden am Mittwoch, 4. Februar, zum Weltkrebstag in Schaufenstern der Geschäfte in der Fußgängerzone ausgestellt.

An drei Samstagen gestalteten die Frauen unter Anleitung von Beate Reinders Plastiken, so genannte Nanas. Bekannt wurden Nanas durch die Künstlerin Niki de Saint Phalle. Im Pop-Art-Stil, bunt, schrill und überdimensioniert stellt die Künstlerin Frauenkörper dar. „Der Begriff stammt aus dem Französischen und bedeutete ursprünglich freches Mädchen“, sagt Beate Reinders. Sie konzipierte den Workshop. Dabei legte sie den Fokus auf die Machbarkeit und den Spaß. Es war das erste Mal, dass Reinders mit Krebskranken arbeitete. „Kreatives arbeiten hilft in solchen Situationen etwas auszudrücken, dass man nicht in Worte fassen kann. Für die Teilnehmerinnen war das nicht immer leicht. Verdrängte Gefühle wie Angst, Trauer oder Wut kamen dabei hoch“, erzählt Reinders.

Auch Henrike Brückner hat diesen Prozess miterlebt. „Ich habe vorher noch nie eine Skulptur gemacht und war neugierig. Was die Arbeit an der Nana in mir auslösen würde, habe ich nicht erwartet“, sagt Brückner. Am Anfang stand für sie die Frage: Wie will ich mich darstellen? Lange hat sie überlegt. „Frauen mit Brustkrebs fühlen sich oftmals nicht mehr als Frau.“ Der Krebs hinterlasse innere und äußere Wunden. Einige der Kursteilnehmerinnen stellten diese Wunden dar. Doch Brückner entschied sich dagegen: „Ich wollte eine Frau in Bewegung, eine, die ins Leben schreitet.“ Ihre Nana ist eine Heilerin geworden, in Pastelltönen und mit Tätowierungen. Eine ganz enge Beziehung hat Brückner zu ihrer Nana aufgebaut: „Sie ist die Heilerin in mir. Ich habe sie im Flur stehen. Dort begrüßt sie mich und gibt mir Kraft.“ Ihre Nane ist im Schaufenster von Schulte zur Wissen in der Kavariner Straße zu sehen.

Mit der Ausstellung der Nanas will die Interessengemeinschaft Krebs darauf aufmerksam machen, dass Krebs nicht nur den Körper, sondern auch die Seele betrifft. „Kreative, gestalterische Projekte helfen bei der Auseinandersetzung mit der Erkrankung und setzen Selbstheilungskräfte in Gang“, sagt Heidemarie Schmidt, Vorsitzende der Interessengemeinschaft. Die Nanas in den Schaufenstern sollen dazu ermuntern, nachzufragen und Angebote wahrzunehmen.