Die Grundwerte verteidigen

David Krystof aus Goch ist in der Freifunkszene aktiv
David Krystof aus Goch ist in der Freifunkszene aktiv
Foto: Andreas Daams
Was wir bereits wissen
David Krystof, das jüngste Ratsmitglied in Goch, setzt sich für freies WLan und faire Bus-Tarife ein

Goch.. Angefangen hat es mit den Logo-Kindernachrichten im Fernsehen. Die haben David Krystof schon als kleines Kind fasziniert. Dass er zu einem politischen Menschen geworden ist, zeichnete sich also schon früh ab. Im vierten Schuljahr diskutierte er mit seinen Eltern darüber, ob er nun endlich die Tagesschau gucken darf. In der Schule mochte er Sozialwissenschaften am liebsten, weil man dort auch mal politisch diskutieren konnte. Und statt vor den Geschehnissen in dieser Welt zu kapitulieren, fasste er schließlich den Entschluss, selber etwas zu machen.

In die Politik zu gehen, ist heutzutage vielleicht nicht mehr der naheliegendste Weg für junge Leute. Zu groß sind die Vorbehalte gegen vermeintlichen Klüngel und – auf der anderen Seite – die offenkundige Machtlosigkeit der Volksvertreter. Das sieht selbst der 20-jährige Krystof manchmal so: „Wenn selbst unsere Parlamentarier nicht mehr die Grundwerte verteidigen, wo sind wir dann eigentlich?“, fragt er sich angesichts der NSA-Abhöraffäre.

Dass man etwas ändern kann, auch im Lokalen, das will er als jüngstes Mitglied im Gocher Stadtrat und als Kreistagsmitglied zeigen. „Das ist ja auch ein Experiment“, sagt er: „Was werde ich in fünf Jahren erreicht haben?“

Den Grünen trat er bei, weil sie seine politische Grundhaltung am ehesten abdecken, beispielsweise Nachhaltigkeit und Freiheit der modernen Gesellschaft: „Warum gibt es immer noch Menschen, die gegen eine Ehe für alle sein können?“

Eines seiner Themen ist die Netzneutralität – Gleichberechtigung für Datenpakete, damit der freiheitliche Gedanke des Internets nicht völlig zerstört wird von kommerziellen Interessen und den Aktivitäten der Geheimdienste. Gefahren sieht er auch: „Ich überlege ja schon selber, was ich in sozialen Netzwerken schreibe, damit ich nicht mit einem missglückten Tweet in der Bildzeitung lande.“ Schon einige hoffnungsvolle Polit-Talente haben so ihre Karriere zerstört. „Dabei haben Jugendliche vor 30 Jahren auch mal Quatsch gemacht, nur haben es da lediglich die Nachbarn mitbekommen.“ Heute kann jeder Fehler noch in Jahrzehnten gegen einen verwendet werden.

Dass man auch im Lokalen etwas ändern kann, zeigt er gerade mit der Freifunkbewegung. Viele Geschäftsleute in Goch hat er bereits überzeugt, dort hat man über die Freifunk-Router kostenloses WLAN. Und auch der Kreis will nun seine höher frequentierten Gebäude mit Freifunkroutern ausstatten. Unternehmen und Privatleute können mitmachen, indem sie einen Freifunkrouter an ihre bestehende Internetstruktur anschließen. Der Förderverein Freie Netzwerke ist als Provider registriert und ist dadurch von der Haftung für die abgerufenen Netzinhalte befreit. „Im Rheinland stehen inzwischen 4500 Geräte“, sagt Krystof, „die Kosten für die Infrastruktur decken wir ausschließlich mit Mitgliedsbeiträgen und Spenden.“

Sein zweites großes Thema ist der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). „Den ÖPNV kann man noch so viel besser machen“, ist er sicher. Nächstes Jahr will er erreichen, dass so kleine Einheiten wie Bedburg-Hau oder Goch nicht mehr eigene Tarifzonen sind, was derzeit zu den hohen Fahrpreisen selbst für kleine Strecken führt. Zum Vergleich: Düsseldorf ist auch eine Tarifzone.

Sicher, das sind alles nur kleine Sachen, verglichen mit den Gefahren durch den Klimawandel oder den Kriegen auf der Welt. Aber die Welt ein bisschen besser machen kann er auch hier. Wenn er das International-Relations-Studium in Kleve abgeschlossen hat, möchte Krystof den Beruf mit dem Engagement verknüpfen, in einer NGO (Nichtregierungsorganisation) oder auch in der Politik. Zeit für Urlaub hat der begeisterte Rad- und Bahnfahrer momentan nicht so richtig. Er fährt zum ÖPNV-Kongress nach Nürnberg, natürlich mit der Bahn. Und dann noch ein bisschen quer durchs Land, Freunde besuchen.