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Naturdenkmal

Die geliebte Linde muss fallen

22.02.2012 | 19:29 Uhr
Die geliebte Linde muss fallen
Auch Anwohnerin Heike Ortmann liebt die alte LInde. Foto: Heinz Holzbach

Bedburg-Hau.   Das 365 Jahre alte Naturdenkmal in Hasselt muss gefällt werden. Anwohner pflanzen einen Ableger genau dieses Baumes.

Sie lieben ihre Linde. Die Hassumer trauern um den Baum, der seit 365 Jahren im niederrheinischen Boden verwurzelt ist. Am Dienstag, 28. Februar, 14 Uhr, wird das Naturdenkmal gefällt. „Es hilft nichts. Wir wissen alle, dass der Baum leider nicht zu retten ist“, sagt Theo Vermaasen von den Heimatfreunden Hasselt.

Die Linde ist krank und von innen mittlerweile so hohl, dass sie nicht mehr standfest ist. Wohnen ohne die Linde – das kann sich Theo Vermaasen nicht vorstellen. Als er in den 80ern sein Haus baute, war die Linde schon da. Natürlich. Die Vermaasens haben nicht nur die Adresse An der Linde 21, sondern auch viele Erinnerungen an den Baum. „Zum Beispiel an Fronleichnam, wenn die Linde immer mit Fahnen geschmückt war.“

Original-Ableger vom alten Baum

Den Nachbarn geht es genauso. Deshalb engagieren sich jetzt auch alle gemeinsam dafür, dass der Platz in ihrer Mitte wieder eine Linde bekommt. Nicht irgendeine. Bereits vor fünf Jahren haben die Nachbarn Austriebe an den Wurzelansätzen des Baumes entnommen und im Garten eingepflanzt. Ein Exemplar ist mittlerweile zu einem drei Meter hohen Baum angewachsen. Er soll die alte Linde ersetzen.

Schon reichlich hohl...

„So haben wir einen Original-Ableger des Baumes von 1648“, erklärt Theo Vermaasen. Er ist Fachmann, da er für die Untere Landschaftsbehörde gearbeitet hat und sich mit Natur und Naturdenkmälern auskennt. Die historische Linde soll nicht komplett gefällt werden. Ein Teil des Stamms wird symbolisch als Halbrund stehen bleiben. In der Mitte soll dann der junge Ableger seinen Platz haben.

Kriegsheimkehrer pflanzten die Linde

Ein Projekt, das mit Muskelkraft und Handarbeit gestemmt wird. Vier Nachbarschaften mit je zehn Haushalten und die Heimatfreunde Hasselt beteiligen sich. „Wir wollen keinen Bagger“, so Vermaasen. „Denn vielleicht finden wir im Boden ja noch etwas aus dem Jahr 1648.“

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, so wird vermutet, pflanzten die Heimkehrer und Hasselter Bürger den Baum aus Dankbarkeit darüber, dass sie den Krieg überlebt hatten. Als Ort wurde eine sichtbare Fläche gewählt, die im Wegedreieck Holzstraße/Lindenstraße lag und bis zur Änderung der Verkehrsführung im Jahr 1980 Lindeplak (Lindenplatz) genannt wurde.

... und auch ansonsten nicht mehr in bestem Zustand. Foto: Heinz Holzbach

Mehr als drei Jahrhunderte lang entwickelte sich die Linde zu einem prächtigen Baum. Dann wurde die Straße Anfang der 80er Jahre ausgebaut. Die Einmündung in die Holzstraße wurde verlegt und über die Grünfläche des Lindenplatzes verlegt.

Dabei muss es passiert sein. Es wird vermutet, dass die Bauarbeiter die Wurzeln beschädigten, so dass der Baum seine Lebenskraft von Jahr zu Jahr immer weiter verlor. Der geschwächte Baum wurde von einem Pilz befallen. Mittlerweile ist der komplette Stamm von innen zersetzt.

Damit sind auch die Jahresringe verschwunden, so dass das stattliche Alter von 365 Jahren nicht eindeutig belegt werden kann.

Baumfällung der Hasselter Linde: Dienstag, 28. Februar, 14 Uhr. Der Pflanztermin für den neuen Baum wird noch bekannt gegeben. Voraussichtlich Anfang April.

Julia Müller

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