Die futuristischen Bilder der Amerikanerin Lori Nix

Subway von Lori Nix
Subway von Lori Nix
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Museum Schloss Moyland zeigt ab heute, 18 Uhr, die Fotokunst der amerikanischen Künstlerin Lori Nix. Erste umfassende Ausstellung in Europa

Bedburg-Hau..  Von den Wänden und der Decke blättert der Putz, Staub und Sand haben sich auf Stühle, Regale und Boden gelegt. Wie vor langer Zeit und offenbar in großer Eile sich selbst überlassen wirkt der „Anatomy Classroom“. Ein Sandsturm scheint im „Beauty Shop“ gewütet zu haben. Umgestürzte Stühle und durcheinander gewirbeltes Inventar sprechen auch hier für einen überstürzten Aufbruch. Bäume wachsen in der „Library“ durch die Decke, achtlos verstreut liegen Bücher und Mobiliar herum. Keine Menschenseele ist zu sehen. Nicht im Klassenraum, nicht im Salon, nicht in der Bibliothek. Denn es ist der Moment, wenn der Mensch verschwunden ist, für den sich Lori Nix interessiert. Was passiert, wenn niemand sich mehr kümmert, wenn alles sich selbst überlassen wird? Holen sich Fauna und Flora zurück, was der Mensch hinterlassen hat? Mit dieser Frage beschäftigt sich die amerikanische Künstlerin. Mit „Lori Nix. The Power of Nature“ zeigt Museum Schloss Moyland die Werke der New Yorkerin zum ersten Mal in einer größeren Ausstellung in Europa.

„Auf diese Vorreiterrolle sind wir sehr stolz“, sagte die Kuratorin der Werkschau, die künstlerische Direktorin des Museums, Dr. Bettina Paust. Diese Ausstellung sei etwas ganz Besonders, wegen der einzigartigen künstlerischen Position von Lori Nix in der Fotografie.

Moyland zeigt zwei Serien aus insgesamt 39 Fotografien. „Lost“ entstand zwischen 2002 und 2004, „The City“ seit 2005. Lori Nix entwirft in ihren Bildern Szenarien von ursprünglich realen, alltäglichen Orten, die sie in stilllebenhafte visionäre Plätze verwandelt. Ganz gleich, ob es sich um einen Waschsalon, ein Museum oder die Schaltzentrale eines Kraftwerks handelt, alle wirken wie Orte, an denen sich die Natur zurückholt, was der Mensch hinterlassen hat bzw. was von der Zivilisation übrig bleibt, wenn der Mensch nicht mehr da ist. „Was kann passieren, wenn wir unsere Sorgfalt für unsere Umwelt völlig vergessen lassen“, ist die zentrale Frage Nix’.

Bei aller Kritik am Umgang mit Ressourcen sind die Bilder von Lori Nix immer auch Geschichten, die mit viel Humor erzählt werden, trotz oder vielleicht gerade wegen der Katastrophen, die sich zuvor abgespielt haben müssen. Grundlage ihrer Fotografien sind selbst gebaute, kleine Dioramen (Schaubilder) voller Details. Nachvollziehbar, dass es stets mehrere Monate dauert, bis eines ihrer Werke fertig gestellt ist.

Ihre künstlerische Inspiration speist sich aus Kindheitserfahrungen. Aufgewachsen in Kansas erlebte Nix (geboren 1969) Naturkatastrophen wie Insektenplagen oder Tornados vergleichsweise regelmäßig – und gelassen.

Für den Betrachter ist diese Ausstellung überaus anregend, sie eröffnet die Sicht auf eine neue Denkweise. Selbst dann, wenn alles ‘nur’ Fiktion ist, ein futuristisches Gedankenspiel.

Für die Ausstellung wurde die Ausstellungshalle in der rechten Vorburg umgestaltet, jedes der großen Bilder wird an einer eigenen Wand gezeigt. Es erscheint ein Katalog in deutscher und englischer Sprache. Alle Werke der Ausstellung werden hier abgebildet. Die Publikation erscheint im Kölner Wienand Verlag und kostet 28 Euro.