Die erste Blindschleiche

Blindschleiche
Blindschleiche
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Weil es so lange so überdurchschnittlich kühl war, ist die schlangenartige Eidechsenart noch nicht so richtig auf „Betriebstemperatur“

Kleve..  Endlich schlägt jetzt das Frühjahr durch. Weil es lange Zeit aber überdurchschnittlich kühl gewesen ist, sind manche Pflanzen und Tiere noch ein bisschen zurück. Man sieht das beispielsweise an den Zugvögeln. Da sind viele Arten deutlich später dran, als das in den Vorjahren der Fall war. Zwar brüten bei mir im Garten jetzt schon Zilpzalp und Mönchsgrasmücke; Kleiber, Kohlmeise und Spatz füttern sogar schon Jungvögel - aber in der Stadt fehlen doch noch viele Mauersegler und Mehlschwalben und in der Feldflur hoffen wir doch auch noch auf weitere Sumpfrohrsänger und Gelbspötter. Das sind Arten, die auf ihrem Zug über die Sahara und das Mittelmeer fliegen müssen. Da hat sich in diesem Jahr offenbar vieles verzögert.

Auch im Garten kann ich das sehen. Obwohl schon im März eingesetzt, wurde der erste Salatkopf im Freiland erst jetzt an diesem Wochenende erntereif. Im letzten Jahr hatten wir die erste Ernte schon Ende April auf dem Tisch.

Mit den niedrigen Temperaturen haben vor allem die wechselwarmen Lebewesen zu kämpfen. Die kommen einfach nicht so richtig auf „Betriebstemperatur“. So habe ich mich aber umso mehr gefreut, als ich jetzt eine Blindschleiche beobachten konnte. Die hatte ich aber nicht etwa beim Sonnenbad auf einem warmen Plätzchen entdeckt, sondern quasi aufgestöbert, als ich meinen Kompost umgesetzt habe. Dort entsteht beim Rotteprozess Wärme, die diese schlangenartige Eidechsenart zu schätzen weiß.

Die Blindschleiche ist eine Besonderheit in unserer Tierwelt. Arme und Beine sind „reduziert“, wie es in den Biologiebüchern heißt. Das heißt, die Blindschleiche hat im Laufe der Evolution ihre bei den Vorfahren noch angelegten Arme und Beine verloren. Offenbar braucht sie die einfach nicht. Sich durch die Deckung zu schlängeln ist für diese Art die bessere Fortbewegungsart, als etwa zu krabbeln. Andere Eidechsen, wie die Zaun- oder die Waldeidechse verfügen über Gliedmaßen, sind aber viel kleiner.

Ich freue mich über die Blindschleiche im Garten. Zum einen, weil das einfach ein schönes Tier ist, das mit seiner glänzenden Haut und der schlängelnden Fortbewegungsart absolut fasziniert. Zudem frisst die Blindschleiche gerne Nacktschnecken und von denen habe ich mehr als mir lieb ist. Und die fressen leider auch gerne an dem oben schon erwähnten Salat.

Blindschleichen können zudem sehr alt werden. In Gefangenschaft wurden Blindschleichen über 40 und sogar schon über 50 Jahre alt. Es ist allerdings mehr als ungewiss, dass das auch in freier Wildbahn gelingt.

Zu zahlreich sind die Fressfeinde. Amseln schätzen die nur wenig Zentimeter kleinen Jungschleichen und dann tun sich später Greifvögel, Füchse, Wiesel, Hermelin, Dachse und viele andere an den Schleichen gütlich. Und eine hohe Verlustrate fordert auch der Straßenverkehr.