Die drei Eisernen Männer von Kleve

Der „Neue Eiserne Mann“ von Stephan Balkenhol hat seit elf Jahren seinen Platz am Amphitheater. Die Geschichte der Figur ist allerdings viel älter.
Der „Neue Eiserne Mann“ von Stephan Balkenhol hat seit elf Jahren seinen Platz am Amphitheater. Die Geschichte der Figur ist allerdings viel älter.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Die neue Ausgabe von „Rund um den Schwanenturm“ ist erschienen. Die Zeitschrift des Klevischen Vereins für Kultur und Geschichte ist ein lesenswertes Stück Kleve

Kleve..  Den Mann kann einfach nichts umwerfen. Ganz gleich, ob das Thermometer derzeit an der 40-Grad-Marke kratzt oder ob ihm jemand frech eine Narrenkappe über den Kopf stülpt – der Eiserne Mann steht unbeirrt und mit geradem Rücken auf seiner goldenen Kugel und lässt seinen Blick am Cerestempel vorbei bis hoch zum Kupfernen Kopf schweifen. Die Klever kennen die Skulptur, die seit 2004 – geschaffen vom Bildhauer Stephan Balkenhol – dort als „Neuer Eiserner Mann“ installiert wurde.

Weniger bekannt aber dürfte sein, dass der „Neue“ die inzwischen dritte Figur ist, die diesen Namen trägt. Über die interessante Geschichte des Eisernen Mannes berichtet Autor Rainer Hoymann in der druckfrisch vorliegenden neuen Ausgabe der Zeitschrift Rund um den Schwanenturm des Klevischen Vereins für Kultur und Geschichte.

Darin erinnert Hoymann an den Brauch, Kriegswahrzeichen zur sogenannten öffentlichen Benagelung zu errichten. In Kleve stellte man die erste, dafür vorgesehene Figur am 27. Januar 1916 an der Ecke Kirchstraße/Fischmarkt auf. Bürger bezahlten für jeden Nagel, den sie einschlagen wollten, Geld, das dann Kriegsinvaliden und Hinterbliebenen zugute kam. Aus diesen Aktionen stammt der Name des Eisernen Mannes. Zeitweise, so schreibt Hoymann weiter, habe man auch den Cupido in Kleve so genannt. Als den wahren Eisernen Mann sieht er jedoch die Skulptur am Amphitheater, die in der französischen Zeit Kleves (1794 bis 1814) verloren ging und vor elf Jahren durch die Balkenhol-Figur ersetzt wurde.

Ein längerer Teil des neuen Heftes widmet sich dem Klever Ortsteil Donsbrüggen. Neben einem Gedicht von Maria Diedenhofen über die alte Holländermühle und die Vorliebe des langjährigen Pfarrers Bernhard Weskamp für Fußball erinnert erneut Rainer Hoymann an den im Oktober im Alter von 95 Jahren verstorbenen Schlossherrn von Gnadenthal, Baron Victor van Hoevell.

Wiltrud Schnütgen setzt mit ihrer Übersetzung den Bericht der fünfköpfigen niederländischen Reisegruppe fort, die vor gut 300 Jahren von Amsterdam nach Kleve reiste und unter anderem die kleine Kirche an der Böllenstege, das Minoritenkloster und das Amphitheater besuchten. Schnütgen verfasste auch den Nachruf für den verstorbenen, langjährigen Vorsitzenden des Klevischen Vereins, Heinz Scholten.

Ein großer Artikel von Helga Ullrich-Scheyda beschäftigt sich mit dem bewegenden Besuch ehemaliger Klever Juden 1989.

Annemarie Schott schreibt von Hausarzt Dr. Voss, vielen alten Klevern noch gut in Erinnerung. Schließlich besuchte er seine Patienten nicht nur mit dem Motorrad, er hatte auch stets seinen Dackel Peter dabei, der auf dem Tank des Zweirades mitfuhr. Die neue Zeitschrift ist ein lesenswertes Stück Kleve.